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Freitag, 28. Dezember 2012

Börsenspekulation mit Grundnahrungsmitteln, zunehmender Einsatz von Agrar-Treibstoffen und Agrardumping !

(Ausschnitt aus dem Interview von Jean Ziegler durch Peter Wolter, 16.11.2012)


Großbanken / Hedgefonds: 
Börsenspekulation mit Grundnahrungsmitteln !!!

"Der internationale Banken-Banditismus hatte 2007/ 2008 an den Finanzbörsen rund 85000 Milliarden Dollar Vermögenswerte vernichtet. 
Seitdem sind die meisten Hedgefonds und Großbanken auf die Rohstoffbörsen umgestiegen, vor allem auf Agrarprodukte.
Wie gehabt wird auch auf diesem Sektor weiter mit Derivaten, »Short Selling« und anderen legalen Finanzinstrumenten gehandelt, um mit Reis, Mais und anderem Getreide ASTRONOMISCHE Profite einzufahren.

Mais zB. ist auf dem Weltmarkt in den vergangenen zwölf Monaten um 63 Prozent teurer geworden, die Tonne Weizen hat sich auf 272 Euro verdoppelt, der Preis für philippinischen Reis ist regelrecht explodiert: von 110 auf 1 200 Dollar !

Laut Weltbank müssen 1,2 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben – sie hausen in den Slums der Welt: in Manila, Karatschi, Mexiko-Stadt, Sao Paulo usw.
Von dieser winzigen Summe müssen Mütter ihre Kinder ernähren – wenn die Lebensmittelpreise explodieren, verhungern sie."



Doch die Börsenspekulation mit Grundnahrungsmitteln ist nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!!!!

Denn ein zusätzlicher mörderischer Mechanismus ist der zunehmende Einsatz von Agrar-Treibstoffen! 

Alleine in den USA wurden 2011 aus 138 Millionen Tonnen Mais und Hunderten Millionen Tonnen Getreide Bio- methanol und Biodiesel hergestellt. 
Das Land verbraucht jeden Tag das Äquivalent von 20Millionen Barrel (158 Liter) Erdöl – zwischen Alaska und Texas werden aber nur acht gefördert. Zwölf müssen einge- führt werden, aus Irak, Nigeria, Zentralasien, Saudi-Arabien und anderen gefährlichen Ländern.

Das bedeutet, daß die USA unglaubliche Summen für ihr Militär ausgeben müssen, Obama will daher fossile durch vegetale Energie ersetzen.

Aber Hunderte von Millionen Tonnen Nahrungsmitteln auf einem Planeten zu verbrennen, wo alle fünf Sekunden ein Kind verhungert, ist das absolute Verbrechen gegen die Menschlichkeit !



Doch wer glaubt, dass Börsenspekulation mit Grundnahrungsmitteln und der zunehmende Einsatz von Agrar-Treibstoffen schon alles aus der neoliberalen, imperialistischen Trickkiste ist, hat sich getäuscht!

Ein weiterer Mordmechanismus ist das Agrardumping !! 

Auf jedem afrikanischen Markt können sie heute frisches Gemüse, Geflügel und Früchte aus Italien, Frankreich oder Deutschland kaufen, je nach Saison um die Hälfte oder ein Drittel billiger als gleichwertige einheimische Erzeugnisse.

Ein paar Kilometer weiter rackert sich der afrikanische Bauer mit Frau und Kindern in brüllender Hitze ab und hat nicht die geringste Chance, auch nur das Existenzminimum für seine Familie zu erwirtschaften.

Das, was die Kommissare in Brüssel anrichten, ist abgrundtief verlogen:
Durch ihre Dumpingpolitik fabrizieren sie den Hunger in Afrika – und wenn die Hungerflüchtlinge sich nach Europa retten wollen, werden sie mit militärischen Mitteln brutal ins Meer zurückgeworfen, wo jedes Jahr Tausende ertrinken.




Laut ECOSOC-Statistik sind vergangenes Jahr 52 Millionen Menschen Epidemien, verseuchtem Wasser, Hunger und Mangelkrankheiten zum Opfer gefallen. 

Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr. 




Und was sagen die Verantwortlichen für diese Zustände und auch ihre Anhänger dazu?
"Die Zahlen stimmen nicht, oder das sind doch Lügen."

Das erinnert mich stark an die Holocaust-Leugner!

Im Endeffekt geht es jedoch nicht um die Zahlen, sondern um die von den neoliberalen, ausbeuterischen Managern und Oligarchen geschaffenen Zuständen.

Und die sind nicht mehr zu leugnen!





Dienstag, 2. August 2011

Auszug aus dem Interview mit dem weltbekannten Globalisierungskritiker Jean Ziegler



- Herr Ziegler, was wollten Sie in Salzburg eigentlich erzählen?

Jean Ziegler: Mich hätte das Publikum fasziniert. Das sind ja die Geldsäcke, die dort sitzen. Die hätten eine halbe Stunde lang zuhören müssen, bei geschlossenen Türen, die hätten nicht weglaufen können.

- Hätten Sie ihnen so garstige Sachen gesagt, dass sie laufen wollen?

Ich hätte versucht, die kanibalische Weltordnung darzustellen: Alle drei Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, eine Milliarde Menschen ist schwerst unterernährt auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Und dessen Weltlandwirtschaft laut Statistik problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte.

- Dabei heißt's doch immer, der Welt gehen die Ressourcen aus.

Das ist schon lang nicht mehr so. Den objektiven Mangel, von dem Marx glaubte, dass er uns Jahrhunderte begleiten wird ...

- Der Club of Rome glaubte das noch in den 1970er-Jahren.

Ja, aber den gibt es nicht, der ist überwunden. Und ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. Das ist kein Naturgesetz, wie die Neoliberalen glauben, sondern Mord. Und das hätte ich sagen wollen.

- Dazu kommt's nicht jetzt. Wer hat Ihnen die Ausladung wie mitgeteilt?

Die Frau Burgstaller. Sie hat mir vor zwei Jahren für das Buch "Hass auf den Westen" den Salzburger Zukunftspreis verliehen, und wir hatten viel telefoniert, dass ich genau über das Thema reden sollte. Selbst der Titel "Der Aufstand des Gewissens" kam von ihr. Die Ausladung kam per Mail....

- Sie waren zehn Jahre Sonderberichterstatter der UNO und sind jetzt im Menschenrechtsbeirat - wie kommt man dazu? Alte Kontakte?

Nicht durch sozialistische Korruption, die ja sehr blühend ist, weil ich war denen immer zu links, auch in der Sozialistischen Internationalen. Es braucht die normative Kontrolle des wirtschaftlichen Handelns, es braucht die Menschenrechte als höchstes Gebot. Entwicklungshilfe ist ein Blödsinn...

- Das sagen Sie?

Die Entwicklungshilfe allein ist ungenügend in einem Land, wo es keine Landreform gibt - Guatemala kriegt viel Entwicklungshilfe, und 1,8 Prozent der Bevölkerung haben dort 57 Prozent des fruchtbaren Bodens.