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Freitag, 29. Mai 2015

4 herausragende Personen

























via Gerhard GustHeute haben vier herausragende Personen Geburtstag an die erinnert werden müsste. Ich beschränke mich auf eine Französin. Die anderen drei sind:

HILDE COPPI
(30. Mai 1909 in Berlin - 5. Aug. 1943 in Berlin-Plötzensee)
INGE MEYSEL
(30. Mai 1910 in Rixdorf - 10. Juli 2004 in Seevetal)

HORST PAUL DOHLUS
(30. Mai 1925 in Plauen - 28. April in Berlin)
Und nun die Erinnerung an den Geburtstag der französischen Widerstandskämpferin

GERMAINE TILLION
(30. Mai 1907 in Allègre - 19. April 2008 in Saint-Maudé)
Sie war eine französische Ethnologin und Widerstandskämpferin in der Résistance.

Ihre Jugend verbrachte Germaine Tillion mit ihren Eltern und ihrer Schwester Françoise in Clermont-Ferrand, wo ihr Vater Lucien Tillion († 1925) als Friedensrichter arbeitete. Ihre Eltern waren gebildete Menschen, sie liebten die Kunst. Ihr Vater war Amateurfotograf, ihre Mutter Emilie Tillion war Schriftstellerin und arbeitete eine Zeit lang maßgeblich in der Redaktion der Guides bleus, einer angesehenen Sammlung von kleinen Nachschlagewerken für Touristen.

Sie verließ ihr Elternhaus, um in Paris zu studieren. Dort schloss sie sich einer Gruppe von Ethnologen um Marcel Mauss und Louis Massignon an. Sie beendete ihr Studium mit Diplomen der École pratique des hautes études, der École du Louvre sowie des Institut national des langues et civilisations orientales.

1934 brach sie zu ihrer ersten Studienreise nach Algerien auf, um dort das Berbervolk der Chaoui zu erforschen. Bis 1940 folgten drei weitere Studienaufenthalte in jener Gebirgsregion, dem Aurès im Osten Algeriens.

Während der französischen Mobilmachung 1940 kehrte sie nach Frankreich zurück. Die französische Kapitulation angesichts des deutschen Angriffs nahm sie mit Verachtung zur Kenntnis; sie habe sich übergeben müssen, als sie die anschließende Rede von Marschall Pétain hörte. Sie wurde Kommandantin der ersten Gruppe der Résistance, die sich im besetzten Gebiet bildete, der groupe du Musée de l'Homme. Diese Widerstandsgruppe setzte sich die Beschaffung von Informationen sowie die Befreiung von Gefangenen zum Ziel. Zu ihren Mitstreitern gehörten die Bibliothekarin Yvonne Oddon, der Linguist Boris Vildé und der Anthropologe Anatole Levitsky, die alle drei am Musée de l'Homme arbeiteten, sowie der Monarchist Maurice Dutheil de la Rochère und der Oberst im Ruhestand Paul Hauet.

Im Laufe des Jahres 1941 konnte die deutsche Aufklärung die Gruppe nach und nach enttarnen. Anatole Levitsky und Boris Vildé wurden verhaftet und im Februar 1942 im Fort Mont-Valérien erschossen. Am 13. August 1942 wurde auch Germaine Tillion infolge einer Denunziation bei einem Treffen in der Pariser "Gare de Lyon" verhaftet. Sie wurde im Gefängnis von Fresnes eingesperrt, wo auch ihre Mutter Emilie inhaftiert war.

Am 21. Oktober 1943 wurde sie ebenso wie ihre Mutter ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Germaine erhielt den niedrigsten Status in der Lagerhierarchie, den einer Verfügbaren, einer Gefangenen, die zu jeder Zeit für jede beliebige Arbeit eingesetzt werden konnte. In einer Kiste versteckt schrieb sie 1944 das Libretto einer makaber-komischen Operette: "Le Verfügbar aux Enfers". Im März 1945 verlor sie ihre Mutter, die gemeinsam mit vielen anderen Mitgefangenen in jenem Monat durch Giftgas ermordet wurde. Im selben Frühjahr wurde sie noch vor dem Einmarsch der Alliierten durch den Transport des Schwedischen Roten Kreuzes gerettet. Das Manuskript Tillions rettete eine andere Gefangene. Germaine Tillion brachte eine Büchse mit Fotoaufnahmen von den Menschenversuchen mit in die Sicherheit. Ihr eigenes Überleben führte sie auf glückliche Umstände und auf ein freundschaftliches Netzwerk im Lager zurück, nicht aber auf ihren Überlebenswillen.

Nach dem Krieg widmete sie sich der Erforschung des Zweiten Weltkriegs und der Aufklärung von deutschen Kriegsverbrechen. 1951 gründete sie gemeinsam mit dem Trotzkisten David Rousset die Commission internationale contré le régime concentrationnaire,. Ab 1954 wandte sie sich erneut Studien über Algerien zu. Sie gründete ein Bildungsprogramm für Strafgefangene. Sie wurde Direktorin an der École pratique des hautes études und organisierte 20 Studienreisen nach Nordafrika und in den Mittleren Osten. An der École des Hautes Études en Sciences Sociales und am Centre national de la recherche scientifique erarbeitete sie eine Reihe von maßgeblichen Studien über Gesellschaften und Kulturen des Mittelmeerraums.

Am 4. Juli 1957 traf sie sich in Algier heimlich mit Yacef Saadi, um der Eskalation von Attentaten und Hinrichtungen im Laufe des Algerienkrieges ein Ende zu setzen. Nach dem Algerienkrieg engagierte sie sich in verschiedenen politischen Projekten:

Gegen die Verelendung der algerischen Bevölkerung,
gegen die Folter in Algerien,
für die Emanzipation der Frauen im Mittelmeerraum.
2004 beteiligte sie sich gemeinsam mit anderen französischen Intellektuellen an einem Aufruf gegen die Folter im Irak.

Am 2. Juni 2007 wurde anlässlich ihres 100. Geburtstags am Théâtre du Châtelet in Paris ihre Operette Verfügbar aux enfers uraufgeführt.

Im Februar 2014 kündigte der französische Staatspräsident François Hollande an, dass die sterblichen Überreste Tillions im kommenden Jahr, am 27. Mai 2015, gemeinsam mit denen von Pierre Brossolette, Geneviève de Gaulle-Anthonioz und Jean Zay ins Panthéon überführt werden sollen. Der 27. Mai ist im Sommer 2013 als "Journée nationale de la Résistance", ein landesweiter staatlicher Gedenktag, gesetzlich festgelegt worden.

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