Samstag, 21. Juni 2014

Projekte für ein soziales, ökologisches und demokratisches Europa

- Macht der Banken und Finanzmärkte einschränken
Die Bändigung der Finanzmärkte ist eines der zentralen Projekte, das die Dominanz des Neoliberalismus brechen kann. Von den Finanzmärkten, auf denen die Liberalisierung und Deregulierung am stärksten ausgeprägt ist, hat die Krise ihren Ausgang genommen. Der maßlos aufgeblähte Finanzsektor muss zurückgestutzt werden!
Zuviel Kapital fließt in die Spekulation und nicht in die reale Wirtschaft!!
Vor allem muss der Teufelskreis – die Gewinne fließen an die Aktionäre, die Boni fließen an die Banker, aber das Risiko trägt die öffentliche Hand – endlich durchbrochen
werden.

- Die soziale Krise stoppen 
Gerade in der Beschäftigungs- und Sozialpolitik klafft in der Eu zwischen Zielen und Wirklichkeit eine große Lücke.
Das neoliberale Reformbündnis greift im Wege der in der Krise verschärften fiskalpolitischen Vorgaben der Eu und im Rahmen der Politik der Troika massiv in die
Lebenswirklichkeit von millionen Europäerinnen ein und kann die Verantwortung der Eu nicht einfach zurückweisen.
Im Rahmen der so genannten Europa 2020-Strategie hat sich die Eu unter anderem das Ziel gesetzt, bis 2020 die Beschäftigungsquote der Frauen und Männer im alter von 20 bis 64 Jahren auf 75 % anzuheben und die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung Bedrohten um 20 Millionen zu reduzieren. Von beiden Kernzielen ist die Eu – nicht zuletzt aufgrund der neoliberalen Krisenpolitik – weit entfernt und wird sie auch ohne deutliche politische Trendumkehr nicht erreichen!
Auch die großangekündigte europäische Jugendgarantie – der wichtigste Politikansatz zur Bekämpfung der dramatisch hohen Jugendarbeitslosigkeit – kommt nur schleppend voran.
Forderungen:
o Die Schaffung von qualitativ hochwertigen, sicheren und gut entlohnten Arbeitsplätzen muss Kernstück der Eu-Beschäftigungsstrategie sein.
o Ein Sozialpakt, der soziale Mindeststandards einschließlich der Verankerung von Lohnuntergrenzen auf nationaler Ebene sowie Maßnahmen gegen Lohn- und Sozialdumping beinhaltet.
o Die europäische Jugendgarantie muss rasch umgesetzt werden. Die Jugend ist für die Zukunft der Eu „systemrelevanter“ als jede Großbank.
o Europaweit abgestimmte intelligente Modelle einer Arbeitszeitverkürzung sind auf die Tagesordnung zu setzen.

- In die soziale und ökologische Infrastruktur investieren 
In den Krisenländern sind die öffentlichen investitionen in den letzten fünf Jahren in einem großen Ausmaß verringert worden. In der Eurozone betrug der Rückgang insgesamt ein Fünftel.
Diese Entwicklung ist besorgniserregend: gerade in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise sind öffentliche Investitionen das wirksamste Mittel zur Belebung der Konjunktur und elementarer Bestandteil eines neuen Wachstums- und Verteilungsmodells. Im Gegensatz dazu reduziert die europaweite Sparpolitik das Wachstumspotential und erhöht damit gleichzeitig die Schuldenquoten.
Dieser Zusammenhang, der von vielen Studien bestätigt wird, muss endlich in den Fokus der Eu-Krisenpolitik !!!
Forderung:
Die öffentlichen investitionen müssen massiv ausgeweitet werden.

- Umverteilung von Einkommen und Vermögen zur Förderung der Binnennachfrage 
In den letzten Jahrzehnten ist es in den meisten Industriestaaten zu dramatischen Ungleichgewichten in der Einkommens- und Vermögensverteilung gekommen.
Eine studie für die AK Wien zeigt, dass dies eine der zentralen Ursachen der Finanzkrise war !!!
Die Ungleichverteilung hat zwei Konsequenzen: auf der einen Seite häufen sich immer mehr Vermögen bei einer kleinen Schicht reicher Menschen an, dieses Vermögen wird auf Finanzmärkten angelegt und bläht diese auf. Auf der anderen Seite kommt es zu einer Schwächung der Binnennachfrage, weil die Lohnquote ständig sinkt.
Heute ist es nötiger denn je, diese Umverteilung nach oben wieder rückgängig zu machen – etwa durch höhere Steuern auf hohe Einkommen und Vermögen sowie eine an der Produktivität und Inflation orientierte Lohnpolitik, welche die Bedeutung der Löhne als nachfragestabilisierenden Faktor anerkennt.
Forderungen:
o Eine Eu-weit koordinierte Vorgehensweise insbesondere bei den Steuern auf Vermögen, Spitzeneinkommen, Kapitalerträgen und Unternehmensgewinnen muss die notwendigen Ressourcen für eine expansive Wachstums- und Beschäftigungspolitik sicherstellen.
o Weitere Ressourcen zur Finanzierung öffentlicher Investitionen können durch die rasche Einführung der geplanten Finanztransaktionssteuer und wirksame Maßnahmen gegen Steuerbetrug, Steuerhinterziehung und aggressive Steuerplanung sichergestellt werden.
o Mittelfristig muss sich die sogenannte „Goldene Regel der Finanzplanung“ („golden rule“) durchsetzen. Diese ermöglicht es, öffentliche Zukunftsinvestitionen aus der
Berechnung der öffentlichen Ddefizite herauszunehmen.

- Den Binnenmarkt und die Wirtschaft an den Interessen der Menschen ausrichten
Die Binnenmarktpolitik der vergangenen Jahrzehnte war beinahe ausschließlich am Ziel orientiert, für Unternehmen optimale Gewinnbedingungen bereitzustellen.
Der Binnenmarkt muss als gemeinsamer Markt mit einem hohen Niveau an sozialen und ökologischen Standards verstanden werden, welche die Voraussetzung von
Produktivitätssteigerungen sind.
Gleichzeitig darf das Wettbewerbsrecht nicht den Druck auf die öffentliche Erbringung von Dienstleistungen (von der Bildung über den Verkehr und den sozialen Wohnbau bis zum Wasser) erhöhen.
Forderung:
o Der besorgniserregende Trend im EU-VerbraucherInnenschutz weg von europäischen Mindeststandards zu Gunsten der Verbraucherinnen, hin zu vollharmonisierten – meist niedrigeren – Standards zu Gunsten der Unternehmen muss gestoppt werden.
o Im Gesellschaftsrecht braucht es eine Abkehr von einer einseitigen Share-holder-Orientierung und einen demokratiepolitischen Richtungswechsel.
o Ein diskriminierungsfreier, flächendeckender und erschwinglicher Zugang zu qualitativ hochwertigen öffentlichen Dienstleistungen muss gewährleistet werden.

- Solidarität und Zusammenhalt unter den EuropäerInnen stärken
Obwohl nicht alle Eu-Staaten den Euro als gemeinsame Währung eingeführt haben, ist eine dauerhafte Stabilisierung der Eurozone von großer Bedeutung. Bei einer Aufspaltung des Euroraums wären auch für die ArbeitnehmerInnen in Österreich herbe Einbußen zu erwarten, vor allem ein beträchtlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Die bisherigen Möglichkeiten sind dafür verspielt worden: die von der Troika und den Euro-Staaten zu verantwortenden Auflagen schreiben Sozialdumping und Sparen bei der öffentlichen und sozialen Infrastruktur vor. Gerettet werden die einheimischen und europäischen Banken und Vermögenden, belastet werden die ArbeitnehmerInnen, PensionistInnen und Arbeitslosen in Krisenländern. Das ist der falsche Weg, es müsste umgekehrt sein!
Forderungen:
o Wenn die europäische Politik das europäische Projekt nicht gefährden möchte, müssen gerade die Banken und Vermögenden in den betroffenen Ländern ihren Beitrag zur finanziellen Stabilisierung leisten und nicht die ArbeitnehmerInnen.
o Der soziale Dialog, in dem das miteinander von Gewerkschafts- und Unternehmensseite gepflogen wird, muss in der Eu-Politik gestärkt werden.
o Das Budget der Europäischen Union muss stärker auf soziale Ziele ausgerichtet werden. Derzeit fließt der Großteil der Eu-Mittel der Landwirtschaft zu. Dies ist
angesichts der großen Herausforderungen, vor denen wir in Europa stehen, nicht mehr gerechtfertigt.

- Sozialer und ökologischen Kurswechsel in der EU-Handels- und Investitionspolitik
Die langfristigen Liberalisierungsverpflichtungen in Handelsabkommen im Rahmen der WTO und mit Partnerländern der Eu gefährden öffentliche Interessen, insbesonderesozialstaatliche und demokratische Handlungsspielräume. Ziel muss ein fairer Handel sein, der soziale und ökologische Ziele in den Mittelpunkt rückt, anstatt sie zu untergraben.
Forderungen:
o Verhandlungsdokumente der Eu müssen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
o Keine privilegierten Klagerechte für Konzerne.
o Schutzstandards für ArbeitnehmerInnen, KonsumentInnen sowie Umwelt dürfen durch Handelsabkommen nicht gesenkt und deren Erhöhung nicht eingeschränkt werden.
o Kein Lohn- und Sozialdumping: Verstöße gegen diese Bestimmungen müssen umfassend sanktionierbar werden.
o Derzeit verhandelt die Eu u.a. ein Handels- und Investitionsabkommen mit den USA (TTIP), das zahlreiche Gefahren für die Interessen von Arbeitnehmerinnen
und Konsumentinnen birgt. Ein Aussetzen der gesamten Verhandlungen mit den USA – und einen grundlegenden Kurswechsel der handelspolitischen Ausrichtung der EU ist
dringendst gefordert.

- Europäische Entscheidungen demokratisieren und Macht der Wirtschaftslobbys brechen
Spätestens die Krise hat offengelegt, dass zwischen der tiefen wirtschaftlichen Integration der Union und ihrer politisch-demokratischen Integration eine schwere
Schieflage besteht. Während die Union im Bereich der Wirtschafts- und Währungsunion zentrale staatliche Funktionen übernommen hat, sind die demokratische Kontrolle und die politische Gestaltungsmacht nicht entsprechend mitgewachsen.
Dabei handelt sich nicht – wie so oft behauptet – um einen Konstruktionsfehler, vielmehr sollte damit aus sicht mancher ganz bewusst die europäische Demokratie gemäß
neoliberaler Theorie marktkonform zurechtgestutzt werden.
Die Krisenpolitik hat diesen Trend noch einmal verschärft, da ein Großteil der neuen Instrumente (z.B. Economic governance und Fiskalpakt) auf einer mangelhaften
Rechtsgrundlage beschlossen und die Parlamente auf nationaler und europäischer Ebene geschwächt wurden.
Diese Politik der Entdemokratisierung muss beendet werden !


Fordern sie unsere Abgeordneten im Europäischen Parlament dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass der exzessive Einfluss von Banken und Wirtschaftslobbys auf die europäische Gesetzgebung wirksam beschränkt wird.

EU-Infobrief: Europa und Internationales in kritischer und sozialer Perspektive – kostenlos beziehen !!!
 




Quelle: Arbeiterkammer



Montag, 28. April 2014

Die vertraulichen Aufsichtsratsprotokolle der Hypo Alpe-Adria 2007 bis 2009

Wie der Vorstand die ausufernden Verluste kleinredete und die Eigentümer viel zu spät auf das Chaos reagierten.
Von Ulla Kramar-Schmid und Michael Nikbakhsh

FB - Johann Schüttler 


Jörg Haider war ein schweigsamer Gast – wenn er überhaupt Gast war. Aufsichtsratssitzungen der Hypo Alpe-Adria-Bank International AG standen auf der Prioritätenliste des Kärntner Landeshauptmannes offenbar nicht ganz oben. Haider war bis zu seinem Ableben im Oktober 2008 nicht nur Landeshauptmann Kärntens – als „Aufsichtskommissär“ hatte er auch eine Kontrollfunktion in der Bank inne, welcher er aber nur sehr selektiv nachkam. Gerade in der kritischen Phase nach 2007 blieb er den meisten Aufsichtsratssitzungen fern. Und wenn er doch einmal dabei war, hatte er nicht viel zu sagen.
Mitte vergangener Woche erreichte profil eine gut 400 Seiten starke Dokumentation, die tiefe Einblicke in das Innenleben jener Bank gewährt, die Ende 2009 notverstaatlicht und seither mit3,6 Milliarden Euro Steuergeld am Leben erhalten werden musste – und der nächste Kapitaleinschuss in einer Höhe von 500 Millionen Euro aufwärts ist nur eine Frage von Tagen.
Es handelt sich um die Protokolle von insgesamt 17 Aufsichtsratssitzungen zwischen März 2007 (also noch vor dem Einstieg der Bayerischen Landesbank) und Dezember 2009 (also unmittelbar vor der Verstaatlichung). Die Unterlagen zeigen vor allem eines: Vorstand und Aufsichtsrat waren sich der immer desaströseren Lage der Bank zwar sehr wohl bewusst, glaubten aber allen Ernstes, die Krise werde ganz von allein wieder vorbeigehen. Zu einem Zeitpunkt, als das Geschäftsmodell in Südosteuropa längst vor dem Kollaps stand, setzte man unverdrossen auf weiteres Wachstum und tat horrende Verluste als einmalige „Sondereffekte“ ab. So gesehen sind die vorliegenden Abschriften eine Art Tagebuch eines angekündigten Untergangs.
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Donnerstag, 26. April 2007, Klagenfurt
75. Sitzung des Aufsichtsrates. Den Vorsitz hat Wolfgang Kulterer, bis Herbst 2006 noch Vorstandschef der Bank. Die Hypo hat mit dem Einstieg der Investorengruppe um Tilo Berlin wenige Monate zuvor 250 Millionen Euro an frischem Kapital bekommen, Berlin und Partner halten nunmehr 9,09 Prozent. Das Land Kärnten bleibt mit 44,91 Prozent Hauptaktionär, die Grazer Wechselseitige Versicherung kommt auf 41,45 Prozent, die Mitarbeiter-Stiftung auf 4,55 Prozent. Vorstandsmitglied Wolfgang Peter lässt die Ergebnisse 2006 Revue passieren: „Peter führt insbesondere aus, dass der Konzernjahresabschluss … einen Konzernjahresüberschuss … von rd. EUR 83,5 Mio., eine Bilanzsumme von rd. EUR 31 Mrd. … ausweist.“ Tatsächlich ist die Bilanzsumme der Bank um ein Viertel gewachsen, der Gewinn aber um 40 Prozent eingebrochen. Dennoch verständigen sich die Aktionäre auf die Ausschüttung einer (im Rückblick letzten) Dividende von 9,6 Millionen Euro, wovon allein 4,75 Millionen Euro für die Kärntner Landesholding bestimmt sind. Immerhin wird für 2007 ja ein Nettogewinn von 200 Millionen Euro prognostiziert. Jörg Haider ist zwar anwesend, meldet sich aber nicht zu Wort. Ende 2006 haben die Landeshaftungen den historischen Höchststand von 24,7 Milliarden Euro erreicht.
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Donnerstag, 26. Juli 2007, Klagenfurt
77. Sitzung des Aufsichtsrates. Im Mai hat die Bayerische Landesbank den Einstieg in die Hypo fixiert, Tilo Berlin mit 1. Juni den Vorstandsvorsitz übernommen. Obschon die Halbjahresergebnisse auf Ebene einzelner Konzerngesellschaften (Österreich, Kroatien, Serbien) teils deutlich unter Plan liegen, bleibt das Management bei seinen Prognosen: „Das operative Jahresplanziel sollte in etwa erreicht werden.“ Haider ist entschuldigt.
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Montag, 29. Oktober 2007, Klagenfurt
79. Sitzung des Aufsichtsrates. Die Bayerische Landesbank hat nunmehr auch formell das Kommando übernommen, den Aufsichtsrat präsidiert nunmehr deren Chef Werner Schmidt. Hypo-Vorstandsdirektor „Peter berichtet über den Nettogewinn der Gruppe und erklärt, dass prinzipiell das Bankensegment gut performt, jedoch die Hypo Austria und die Hypo Croatia deutlich unter Plan sind … Dies ist unter anderem auf höhere Einzelwertberichtigungen zurückzuführen.“
Die Bank muss zusätzliche Risikovorsorgen in der Höhe von 200 Millionen Euro treffen. Die von Berlin & Co. um den Jahreswechsel 2006/2007 zugeführten 250 Millionen Euro sind bereits verbraucht, die Hypo benötigt erneut Geld. Der von den Bayern entsandte Aufsichtsrat Siegfried Naser, ein CSU-Politiker, wirft ein, „dass man gar nicht daran vorbei könne, eine Kapitalerhöhung von EUR 600 Mio. auf Basis einer Einzelwertberichtigungs-Dotierung von EUR 200 Mio. zu machen“. Haider ist auch an diesem Tag entschuldigt.
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Sonntag, 25. November 2007, Velden
80. Sitzung des Aufsichtsrates. Wieder geht es um – der Höhe nach unerwartete – Ausfälle im Kreditgeschäft, insbesondere in Kroatien. Aufsichtsrat „Naser fragt nach dem Hintergrund dieser doch sehr großen Abweichung an Einzelwertberichtigungen zu Vergleich 31.12.2006. Er denkt an eine eventuell falsche Markteinschätzung oder an Fehler im Management.“ Die Replik des Hypo-Chefs: „Berlin führt aus, dass Kroatien einer der wichtigsten Wachstumsmärkte, aber auch einer der größten Risikomärkte für die HGAA war und ist. Die HGAA habe in den letzten Jahren am kroatischen Markt sehr viel Geld verdient, jetzt ist es an der Zeit, für das eine oder andere Projekt Einzelwertberichtigungen zu bilden.“ Das sei der Bayerischen Landesbank zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen sehr wohl bewusst gewesen. „Die Überlegungen flossen in den Kaufpreis ein.“ Resümee: Die Bank benötigt weitere 600 Millionen Euro Kapital, um die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen. Haider ist wieder entschuldigt.
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Montag, 17. Dezember 2007, Klagenfurt
81. Sitzung des Aufsichtsrates. Der Landeshauptmann ist nicht nur anwesend, er bringt sich auch aktiv ein, wenn auch nur zu einem Randthema: Schlosshotel Velden, eines seiner Prestigeprojekte. „Haider unterstreicht, dass es sich bei dieser Finanzierung weder um einen Auftrag noch um einen Wunsch des Landes Kärnten handelt. Vielmehr ist es im Interesse der Bank, sich in den Ländern, in denen sie vertreten ist, in der hochpreisigen Tourismusklasse zu etablieren.“ Das Management präsentiert überarbeitete Prognosen. Anstelle der eigentlich erwarteten 200 Millionen Gewinn 2007, ist jetzt von „0“ die Rede. Dafür werden für 2008 gleich wieder plus 355 Millionen Euro vor Steuern budgetiert. „Berlin erklärt, dass die Pläne sehr ambitioniert sind, sie entsprechen einem längerfristigen Business Plan … Er kann nur noch einmal unterstreichen, dass die Pläne sehr gut durchdacht sind und an ein Wachstumspotenzial in den Märkten geglaubt wird.“ Aufsichtsrat Kurt Faltlhauser, zu diesem Zeitpunkt Bayerns Finanzminister, zweifelt: „Er spielt auf den Return on equity (Anm. Eigenkapitalverzinsung) von 20 Prozent an und erklärt, dass die Pläne mehr als ambitioniert sind.“ – „Haider wirft ein, dass die Prognosen der letzten Jahre zumeist immer eingehalten wurden … und die Pläne vielmehr respektabel übertroffen worden sind.“
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Montag, 6. März 2008, Zagreb
82. Sitzung des Aufsichtsrates. Die Hypo hat wenige Wochen zuvor die dringend benötigte Kapitalinjektion in der Höhe von 600 Millionen Euro erhalten, die Bayerische Landesbank hält nunmehr 57,31 Prozent. Man freut sich gemeinsam über einen Nettogewinn von gerade einmal 3,1 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007. „Berlin erklärt, dass man dem Aufsichtsrat ein Nullergebnis avisiert hat, man dies sogar noch übertroffen hat, jedoch auch bedenken muss, dass dieses Ergebnis von diversen Einflüssen, wie z. B. der Subprime-Krise, beeinträchtigt ist.“ Die Kontrollore sorgen sich allerdings um den Zustand einzelner Wertpapierpositionen. Haider ist anwesend – und hat eine Frage: „Ob er die Ausführungen der Vorstände richtig verstanden hat und die HGAA nahezu keinerlei Ausfälle mehr treffen werden.“ Ein Vorstand entgegnet: „Natürlich kann man ein Restrisiko nicht ausschließen.“
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Donnerstag, 11. September 2008, ­Belgrad
84. Sitzung des Aufsichtsrates. Die für 2008 prognostizierten Gewinne rücken in immer weitere Ferne, der Ton im Aufsichtsrat wird rauer. BayernLB-Chef Werner Schmidt musste Michael Kemmer weichen. „Kemmer … informiert, dass die Anteilseigner vom Vorstand … in Kenntnis gesetzt worden sind, dass von Seiten der HGAA eine ,Inventur des Kredit- und Beteiligungsportfolios’ vorgenommen wird, was zur Folge hat, dass ein höherer Einzelwertberichtigungsbedarf besteht und somit die Zuführung von neuem Kapital unumgänglich ist.“ Das Management wählt indes eine interessante Strategie: „Peter hält fest, dass ohne diese Sonderbelastungen (Anm. aus dem Kreditgeschäft) das Halbjahreskonzernergebnis 2008 bei EUR 116,3 Mio. gelegen wäre.“ Der bayerische Aufsichtsrat Siegfried Naser resümiert, „dass der Vorstand anscheinend … sagen möchte, dass man das Periodenergebnis vor Steuern um 30 Prozent verbessert hätte, wären u. a. die Finanzmarktkrise oder die hohen Wertberichtigungen nicht aufgetreten. Naser fragt an, ob der so genannte Frühjahrsputz nunmehr vorbei ist bzw. wann man mit dem Ende der Sondereffekte rechnen kann.“ Tilo Berlin hat darauf eine knappe Antwort: „Es handelt sich um eine Durststrecke. Das Thema an sich ist endlich.“ Haider ist entschuldigt.
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Donnerstag, 12. November 2008, ­München
85. Sitzung des Aufsichtsrates. Haider ist einen Monat zuvor verstorben, die Funktion des Aufsichtskommissärs hat Harald Dobernig übernommen. Er bleibt der ersten Sitzung gleich einmal fern. Tilo Berlin berichtet: „Die Bank wurde zu früheren Zeiten immer als ,Haider-Bank’ angesehen und deshalb von vielen Seiten negativ betrachtet. Der Einstieg der BayernLB verhalf der Bank zu einem zunehmend positiveren Image.“ Geht es nach ihm, dann konnte die „Ertragskraft der Bank gehalten werden“ – wären da nicht die „außerordentlichen Effekte“. Und diese belaufen sich auf immerhin 860 Millionen Euro. Die Bank benötigt abermals neues Kapital. „Berlin berichtet, dass er und Peter gestern beim Finanzministerium einen Termin hatten. Es wurde dort deponiert, dass die Bank bis zu EUR 1,5 Mrd. aus dem österreichischen Hilfspaket beanspruchen möchte … Er erzählt weiters, dass die Aufsicht die HGAA gewissermaßen als Sorgenkind sieht.“ (Letztlich werden die Bayern noch im Dezember 700 Millionen Euro zuführen, die Republik Österreich 900 Millionen.) Der deutsche Aufsichtsrat Klaus Weigert bringt unvermittelt ein sensibles Thema aufs Tapet: „Er fragt an, ob aufgrund der aktuellen Entwicklungen Änderungen im Vergütungs- und Anreizsystem der HGAA geplant sind.“ Berlins Antwort lässt tief blicken. Anscheinend werden die Manager der Hypo bis zu diesem Zeitpunkt nicht mit Blick auf die Erträge, sondern ausschließlich nach dem Wachstum der Bank bonifiziert – allein 2007 schüttete die Hypo eine Million Euro an Boni (nach 805.000 Euro 2006) aus, obwohl sie de facto keinen Gewinn erzielte. „Berlin führt aus, dass der Bonus in der HGAA bis dato am Bilanzwachstum orientiert war, jedoch an einer neuen Regelung gearbeitet wird.“ Das Boni-System wird mit der Verstaatlichung ein Jahr später ersatzlos gestrichen werden. Dobernig ist entschuldigt.
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Donnerstag, 11. Dezember 2008, ­München
86. Sitzung des Aufsichtsrates. Der Antrag auf Staatshilfe ist bereits abgeschickt. Ausufernde Risikovorsorgen drücken das Ergebnis tief ins Minus, am Ende wird der Jahresverlust bei 514 Millionen Euro liegen. Dessen ungeachtet bleibt der Vorstand unbeirrt. „Peter erklärt, dass sich die meisten dieser außerordentlichen Belastungen nicht wiederholen sollten. Das Ergebnis ist schlecht, aber es sollten 2008 die Voraussetzungen geschaffen worden sein, dass man für 2009 wieder mit einer positiven Entwicklung rechnen kann.“ Tilo Berlin wiederum betont, dass es wichtig sei, „dass man auf EU-Ebene als gesunde Bank angesehen wird“. Immerhin plagen die Bayern erstmals ernste Zweifel am ostentativen Optimismus des Vorstands. „Kemmer erklärt, dass das Restrukturierungsprojekt für den Gesamtkonzern in den Kinderschuhen steckt, ein Zeitstrahl erst erstellt werden muss und man zum heutigen Zeitpunkt keine seriöse Aussage treffen kann.“ Dobernig? Abwesend.
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Donnerstag, 24. April 2009, Klagenfurt
88. Sitzung des Aufsichtsrates. Dobernig ist da. „Er hält fest, dass die Medienberichte in den letzten Tagen nicht sehr erfreulich waren.“ Berlin wird kurz darauf ausscheiden, am 1. Juni tritt Franz Pinkl die Nachfolge an. Im Aufsichtsrat werden die Landeshaftungen diskutiert. Nach Aussagen des Vorstandes lagen diese zum Jahresende 2008 bei 19,4 Milliarden Euro (der Rechnungshof wird später allerdings einen Betrag von 22,2 Milliarden Euro errechnen).
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Donnerstag, 10. September 2009, ­Klagenfurt
89. Sitzung des Aufsichtsrates. BayernLB-Chef Kemmer stellt gleich einleitend fest, dass sich „die Situation der Bank durchaus schwieriger darstellt als in der letzten Aufsichtsratssitzung angenommen“. Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers (PWC) sollen jetzt das Kreditportfolio durchleuchten (sie werden einen weiteren Abwertungsbedarf in Höhe hunderter Millionen Euro feststellen). Dobernig ist anderweitig verpflichtet.
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Montag, 16. November 2009, München
90. Sitzung des Aufsichtsrates, Kollektive Ernüchterung. „Pinkl hält fest, dass in der letzten Sitzung ein Risikovorsorgebedarf von EUR 762 Mio. angegeben worden ist, dieser sich jedoch … nach oben verschoben hat. In der Überprüfung hat sich gezeigt, dass das Geschäftsmodell in der Vergangenheit primär auf Wachstum ausgerichtet war.“ – „Kemmer weist darauf hin, dass ursprünglich von einem Risikovorsorgebedarf im Jahre 2009 von EUR 300 Mio. ausgegangen worden ist und die nun genannten Beträge eine Dimension annehmen, die für den Fortbestand der Gruppe eine Kapitalerhöhung erforderlich machen würde.“ Desperate Nachfrage: „Kann man nunmehr davon ausgehen, dass mit keinen erheblichen zusätzlichen Kreditrisiken mehr zu rechnen ist?“ Antwort eines anwesenden PWC-Prüfers: Man habe „die derzeit erkennbaren Risiken beurteilt“. Dobernig ist anwesend, hat aber keine weiteren Fragen.
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Donnerstag, 10. Dezember 2009, München
91. Sitzung des Aufsichtsrates. Endzeitstimmung. Im Aufsichtsrat werden Bruchlinien offenbar. Die Vertreter der Grazer Wechselseitigen (GraWe) werfen den Bayern vor, hinter ihrem Rücken in Verstaatlichungsverhandlungen mit dem Finanzministerium eingetreten zu sein – auch vor dem Hintergrund, dass die Hypo nunmehr weitere 2,1 Milliarden Euro benötigt, um überhaupt bilanzieren zu können. GraWe-Manager Siegfried Grigg „musste feststellen, dass Ermisch (Anm. BayernLB-Finanzvorstand Stefan Ermisch) bereits am 23.11.2009 Gespräche mit dem Bundesministerium für Finanzen geführt und dem Bund die Anteile an der Hypo angeboten und ebenso ein Insolvenzszenario in Erwägung gezogen hat … Grigg fragt nach dem Inhalt der Gespräche mit der Republik.“ Antwort der Bayern: „Kemmer verweist darauf, dass Stillschweigen vereinbart worden ist.“ Stefan Ermisch wiederum „führt an, dass sich die BayernLB nun zweimal bewegt hat und sich nun die Republik bewegen muss – ansonsten kehrt die BayernLB nicht mehr an den Verhandlungstisch zurück“.
Dobernig ist a) anwesend und wagt sich b) aus der Deckung. „Dobernig wirft ein, dass über den Pressesprecher des Bundesministeriums für Finanzen mitgeteilt wurde, dass vorerst nur Gespräche mit der BayernLB geführt werden … Er zweifelt an einer taktisch klugen Vorgehensweise


Drei Tage später, in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2009, wird die Hypo Alpe-Adria notverstaatlicht.



Dienstag, 18. März 2014

28.3. - EUROPA leben - Jugendworkshops und Podiumsdiskussion

























































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Robert Misik diskutiert am Freitag den 21.3. mit der SP-Euruopaparlamentariern und -Kandidatin Karin Kadenbach in Tulln zum Thema "Freiheit in Europa". Ist gleichzeitig der Auftakt zu einer kleinen, vierteiligen Politik-Talk-Reihe, die er in diesem Jahr in Tulln macht.



Montag, 3. März 2014

Info: Die Troika ...


Im Kontext der Europäischen Krise geht es bei der Troika um die folgenden drei Institutionen:
  • die Europäische Kommission (EK),
  • die Europäische Zentralbank (EZB),
  • den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Grundsätzlich überwacht die Troika Länder, die in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind und Kredite bekommen, die ihnen von der EU und dem IWF zur Verfügung gestellt werden.
 
Diese Kredite, auch wenn sie niedrigere Zinsen haben als auf dem Kapitalmarkt, sind schwerlich dazu da, den Wirtschaften der notleidenden Staaten dabei zu helfen wieder auf die Beine zu kommen - sondern sollen nur wieder andere Banken, Versicherungen und Hedge-Fonds absichern.

Während es natürlich auch auf der nationalen Ebene Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieser Länder gibt die nicht unterbewertet werden sollten, konzentriert sich die Troika nur auf Ursachen in diesen Ländern, während systemische Gründe auf der europäischen und globalen Ebene wichtiger wären . 
Außerdem zielt sie vorwiegend auf Löhne, Arbeitszeiten und Sozialausgaben ab – also wieder Mal die Interessen der Reichsten schützend.
Darüber hinaus dient es den Interessen der privaten Gläubiger, Banken und anderen Finanzinstitutionen, dass die Schulden an die öffentliche Hand weitergereicht werden. Während sie so auf unhaltbare Höhen steigen, lassen sich Wirtschaftsreformen und Austeritätsmaßnahmen auf einem extrem harten Niveau fordern.

Diese Maßnahmen und Reformen, die Bedingungen, die die Länder erfüllen müssen, um weiterhin Geld zu bekommen, gründen sich in einer Art von Vertrag, dem sogenannten ‚Memorandum of Understanding‘ (MoU). Wenn die Troika zu dem Ergebnis kommt, dass ein Land als Gegenleistung für die empfangenen Zahlungen nicht genug getan hat, kann die beschließen, die Auszahlung der nächsten Rate auszusetzen.
Damit hat die Troika einen sehr starken Einfluss auf die nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik der Länder, die von ihr beherrscht werden.
Die Troika handelte zum ersten Mal im Jahr 2010 in Griechenland. Die EU-Kommission, die EZB und der IWF unternahmen eine gemeinsame Reise nach Athen und einige Tage später wurde, zusammen mit einem MoU, ein Finanzpaket geschnürt.
Dies startete eine Abwärtsspirale mit Renten- und Lohnkürzungen, höheren Steuern, Entlassungen und Privatisierungen.
Nach Griechenland wurden drei weitere europäische Länder unter den prüfenden Blick der Troika gestellt: Irland im Dezember 2010, Portugal im Mai 2011 und Zypern im April 2013. Spanien hat zwar nur ein MoU mit Bedingungen für den Bankensektor, wird aber auch auf viele andere Arten zu Austeritätspolitik gezwungen. Andere Länder, wie Italien, wurden zwar offiziell nicht unter das Joch der Troika gestellt, z.B. haben sie kein MoU mit ihr, aber auch sie werden aufs heftigste dazu gezwungen, Reformen durchzuführen und Austeritätsmaßnahmen zu ergreifen.

Im Grunde sorgt die Troika dafür, dass die kleine Frau und der kleine Mann auf der Straße für die systemischen Probleme in unserem Wirtschaftssystem und die Fehler, die von Finanzinstitutionen gemacht wurden, bezahlt. 


Quelle: Troika Watch / ESF