Montag, 23. März 2015

Europas Eliten wollen die Syriza-Regierung in die Kapitulation mobben.


Der Würgeengel

Europas Eliten wollen die Syriza-Regierung in die Kapitulation mobben. Gleichzeitig verbreitet sich die Ansicht, Tsipras, Varoufakis & Co. würden es ihren Gegnern durch Ungeschicklichkeit leicht machen. Ist da etwas dran? Eine Zwischenbilanz für neue das linke Wiener Onlineportal Mosaik.

Wer zu einer dichotomischen Weltauffassung neigt, für den oder die sind die Dinge leicht schwarz-weiß. Kräfte der Finsternis stehen gegen die Kräfte des Lichts. Die Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Aufklärung gegen Verdummung. Wir können uns hunderte solcher Antagonismen ausdenken. In der wirklichen Welt sind die Dinge oft eine Prise komplexer: Kompromisse werden eingegangen, die Kräfte des Lichts setzen sich nicht vollends durch, aber die Kräfte der Finsternis sind gelegentlich auch bereit, sich mit ihnen zu arrangieren. Zumal es, wie wir ja alle wissen, auch auf der Seite des Lichts ein paar Schattenplätze gibt, und deshalb genauso auf der Seite der Finsternis ein paar Gutmeinende und wache Geister, die bereit sind, sich mit einem neuen Konsens abzufinden, wenn sich die Umstände ändern.
Weniger poetisch und dafür etwas politischer gesprochen heißt das: Politische Blöcke sind nie völlig monolithisch und es gibt immer Raum für Manöver. Das gibt auch der politischen Linken gelegentlich die Möglichkeit, kleine, aber signifikante Fortschritte zu erzielen, selbst wenn ein Sieg in eminentem Sinn nicht im Angebot ist.
So gesehen gab es Anfang Februar durchaus realistische Gründe zu der Annahme, dass die Syriza-Regierung in Griechenland auch innerhalb des Rahmens der europäischen Institutionen (der EU-Institutionen und der mit ihr verbundenen Institutionen der Euroguppe) die Möglichkeit hat, Fortschritte zu erzielen. Schließlich dämmert so manchen auch in Regierungsämtern langsam, dass Austerität einfach nicht funktioniert, schließlich gibt es auch beispielsweise in Italien und Frankreich Regierungen, in deren eigenem Interesse ein Aufweichen der deutschen Spar-Dominanz ist, und schließlich hat der Wahlsieg von Alexis Tsipras und seiner Partei die politischen Kräfteverhältnisse in Europa verändert. Auch die EZB-Führung kämpft mit ihren Programmen zum Quantitative Easing gegen die Depression und Deflation in Europa an, Bemühungen, die aber erfolglos bleiben müssen, solange die politische Seite keine Akzente zur Belebung der Konjunktur setzt. Hier gibt es also auch innerhalb des herrschenden Blocks durchaus Interessenskonflikte. Daher konnte man es zumindest für möglich halten, dass sich daraus ein Spielraum öffnet, der genützt werden kann.
Sechs Wochen später muss man konzedieren, dass sich bis dato jedenfalls ein solches Fenster nicht geöffnet hat – und wenn es je einen Spalt offen war, dann ist es krachend zugeschlagen worden. Hoffnungen auf eine Kurskorrektur in kleinen Schritten sind zerstoben.
In den Verhandlungen, die im Abkommen vom 20. Februar mündeten, haben die Finanzminister der Eurogruppe die griechische Seite mit Blockaden, Drohungen und Erpressung zu einer Abmachung geprügelt, die auf der einen Seite wesentliche Teile der bisherigen Programme unangetastet lässt, und die auf der positiven Seite nur zwei Momente aufweist: Einerseits ist sie vage genug, um praktischen Spielraum zu lassen, andererseits wurde das Primärüberschussziel Griechenlands gelockert. Dieser einzige konkrete positive Punkt ist aber durch die Tatsache längst obsolet, dass sich das Steueraufkommen Griechenlands in den letzten Monaten dramatisch reduzierte. Das heißt: Vom Primärüberschuss, der der Regierung Spielraum gegeben hätte, ist heute praktisch nichts mehr übrig.
Angesichts dessen, was seither geschah, gibt es keinen Zweifel mehr, dass es das Ziel der wesentlichen europäischen Akteure – also der Finanzminister der Mitgliedstaaten und der EZB – ist, die griechische Regierung praktisch zu erdrosseln. Allein die EU-Kommission setzt Kontrapunkte, freilich im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten.
Der griechischen Regierung geht das Geld aus – aber die Wortführer der Eurogruppe bekunden höhnisch, die mit dem Abkommen vom Februar verbundenen Geldmittel werden erst irgendwann fließen, schließlich muss die Syriza-Regierung ja erst beweisen, dass sie ausreichend gefügig ist. Die Euro-Regierungen wollen “die griechische Regierung zur Kapitulation mobben”, kommentiert der New Yorker.
Auch die EZB zieht von Tag zu Tag die Daumenschrauben fester, und zwar in einem Maße, das ihr als “unpolitische”, neutrale Institution der Geldpolitik nicht zukommt. Sie macht Politik, wie sie das schon in einigen anderen Fällen getan hat, etwa in den letzten Tagen der Berlusconi-Regierung in Italien oder bei der Quasi-Erpressung der zypriotischen Regierung. Sie sieht es auf skandalöse Weise als ihr Recht an, demokratische Entscheidungen zu korrigieren – ein klarer Verstoß gegen Geist und Buchstaben der europäischen Verträge. Sie lässt nur mehr Tropfen aus dem Liquiditätshahn für die griechischen Banken. Sie gestattet indirekte Staatsfinanzierung, die die griechische Regierung kurzfristig Liquiditätsengpässe überstehen ließe, nur in kleinsten homöopathischen Dosen. Alles Dinge, von denen jeder und jede weiß, dass sie sich ganz anders verhalten würde, wenn sie es mit einer konformistischen Regierung zu tun hätte.
Und das, wohlgemerkt, obwohl sich “Syriza ohnehin in die Richtung bewegt hat, die die EU will – in den Augen mancher ihrer Mitglieder sogar zu weit” (John Cassidy im New Yorker). Beinahe jeder – auch noch so maßvolle – Vorschlag der Syriza-Regierung wurde abgeschmettert. Zu allem sagten die Anführer der Eurogruppe – das heißt de fakto der alles bestimmende deutsche Finanzminister Schäuble – ihr stetes und wiederkehrendes Njet. Und das, ohne auch nur selbst irgendeinen konstruktiven Vorschlag zu machen. Man kann ja sagen: Euer Plan gefällt uns nicht, wir schlagen dafür einen anderen vor. Doch etwas dieser Art blieb ja völlig aus, wie Harald Schumann im Tagesspiegel analysierte:
“Keinerlei Vorschlag, wie denn stattdessen die Not der Griechen gemindert oder wenigstens die medizinische Katastrophe im Land aufgehalten werden soll. Vielmehr soll das bisherige Programm einfach fortgesetzt werden, ganz gleich, welches Unheil das anrichtet. Die „geschlossenen Verträge“ und „vereinbarten Regeln“ seien nun mal einzuhalten, erklärt Schäuble triumphierend. So wird immer klarer, dass es beim Ringen zwischen der Athener Linksregierung und den anderen Euro-Staaten nicht wirklich ums Geld geht. Wäre Kanzlerin Merkel, Minister Schäuble und ihren Kollegen tatsächlich daran gelegen, möglichst viel der an Griechenland ausgereichten Kredite zurückzubekommen, dann würden sie die Chance nutzen, die eine vom Oligarchenfilz und Klientelismus unbelastete Regierung in Athen bietet. Dann würden sie Tsipras und seinen Ministern den finanziellen Spielraum verschaffen, den diese für den Aufbau eines funktionierenden Staatswesens und den Bruch mit dem alten Machtkartell benötigen. Aber die Verwalter der Euro-Krise fürchten den Erfolg einer linken Regierung offenkundig mehr als die milliardenschweren Verluste auf ihre Kredite, die das Scheitern der Regierung Tsipras ihnen zwangsläufig bescheren wird. Schließlich könnte das Beispiel Schule machen. Auch in Spanien, Portugal und sogar in Irland könnten linke Basisbewegungen bei den dort anstehenden Wahlen die Mehrheit gewinnen. Schäuble und die Kanzlerin nehmen die Gefahr billigend in Kauf.”
Es ist mittlerweile also völlig offensichtlich, dass es nicht nur nicht gelungen ist, den hegemonialen Block in Europa aufzuweichen, sondern dass dieser sich sogar verhärtet hat und entschlossen ist, die griechische Regierung auflaufen zu lassen. “Wir blickten vom ersten Tag an in den Lauf einer entsicherten Pistole”, ist aus Syriza-Führungskreisen zu hören.

IST DIE SYRIZA-REGIERUNG ZU KONFRONTATIV?

In dieser Situation werden nun paradoxerweise nicht jene Stimmen lauter, die den fatalen Kurs der Eurozonen-Zampanos kritisieren, sondern jene, die dafür der griechischen Regierung die Schuld geben. Deren wesentliche Akteure würden ungeschickt und chaotisch agieren, unnötig konfrontativ und aggressiv sein und sogar mögliche Bündnispartner abschrecken, wird da auch von durchaus wohlwollenden Beobachtern kritisiert. Wenn es in Westeuropa je so etwas wie einen medialen Honeymoon für die Syriza-Leute gegeben hat – er ist jetzt jedenfalls vorbei. Spin-Doctoren und Journalisten, die der Macht, die mit Nähe lockt, bereitwillig auf den Leim gehen, haben daran einen nicht unerheblichen Anteil.
Jetzt ist freilich äußert fraglich, ob ein “konzilianteres” oder sonstwie geschickteres Agieren der Syriza-Repräsentanten irgendetwas am ganz offensichtlich planmäßigen Crash-Kurs der Eurogruppe geändert hätte – aber dennoch darf natürlich die Frage gestellt werden, ob die Syriza-Akteure auch ihrerseits etwas falsch gemacht haben. Eine echte, klare Strategie war ja nicht immer zu erkennen. Vor allem Tsipras und Varoufakis begannen ihre Amtszeit mit einer reisediplomatischen Charmeoffensive, haben sich dann aber auch zeitweise ostentativ kompromisslos gegeben. Die Frage, ob das einem raffinierten taktischen Konzept oder eher erratischem Tagesagieren geschuldet war, liegt natürlich auf der Hand. Möglicherweise lag dem eine “Good-Cop/Bad Cop”-Strategie zugrunde, oder der Plan, man könnte mehr rausholen, wenn man eine Konfliktstrategie fährt, ein Plan, der bloß nicht aufgegangen ist.

Gewiss haben beide auch ein paar Fehler gemacht. Die betreffen auch die mittlerweile zum Überdruss strapazierten Aspekte von “Stil” (Motorrad, offene Hemden, Homestorys), die natürlich eine zweischneidige Sache sind: Erst evozieren sie ein positives Bild im Sinne von “die sind frisch, unkonventionell, ganz anders”, bergen aber gleichzeitig die immense Gefahr, nach einer gewissen Zeit nach hinten los zu gehen (“haben die keine anderen Themen als Klamottenfragen?”). Viele der Vorwürfe werden eindeutig in einem Info-Krieg fabriziert: Da wird von Brüsseler Spin Doctoren gezielt gestreut, alle Euro-Finanzminister seien schon völlig genervt von Varoufakis’ makroökonomischen Belehrungen – und niemand fällt die Absurdität des Argumentes auf, dass man im Kreise von Finanzministern offenbar nicht über Wirtschaft diskutieren will. Gewiss wurden auch eindeutige politische Fehler gemacht: Zu sagen, dass nach einem Grexit als nächstes Italien der Bankrott drohen würde, weil auch dieses Land praktisch insolvent ist, mag durchaus der Wahrheit entsprechen, ist aber dennoch nicht von überbordender Klugheit, wenn man die italienische Regierung oder auch nur Teile der italienischen Öffentlichkeit als Verbündeten gewinnen will. Auch die offenherzige Bekundung, dass Griechenland als illiquide behandelt wird, obwohl es eigentlich insolvent ist, erleichtert der EZB nicht gerade die weitere Versorgung des Landes mit Geld, wenn man weiß, dass deren Statuten nur erlauben, Mittel für “illiquide” Institutionen zur Verfügung zu stellen, nicht aber für “insolvente” (gleiches gilt auch für das Regelwerk des IMF).
Gleichzeitig kann man einwenden, dass die Syriza-Akteure hier einfach in einem Zielkonflikt sind: Einerseits ist der Umstand, dass sie Tacheles sprechen, ein wesentlicher Teil ihres Erfolges bei den Leuten, andererseits macht man sich damit in der Welt der Diplomatie ebenso wenig Freunde wie in der Finanzwelt, in der man ja das Kapital, das scheu wie ein Reh ist, nicht durch flotte Sprüche verstimmen darf.
Diese Kritik wird nicht nur aus den Kreisen neokonservativer Feinde der griechischen Regierung vorgetragen, sondern auch von gemäßigt Mitte-Links-Akteuren in Politik und Medien, die durchaus ein gewisses Wohlwollen haben. Oft werden hier natürlich Petitessen aufgeblasen, und man kann schon nach der Verhältnismäßigkeit fragen, wenn bei dem einen Finanzminister tagelang über seinen Mittelfinger gestritten wird, während kaum jemand etwas dabei findet, dass sein deutscher Amtskollege seinerzeit gerne 100.000 D-Mark Schwarzgeld in verschlossenen Briefumschlägen entgegen nahm. Aber all das heißt natürlich deswegen noch lange nicht, dass alle Aspekte der Kritik falsch sind. Und natürlich kann man sagen: Fehler macht ein jeder. Man kann aber auch hinzusagen: In einer prekären Situation, in der es darum geht, Bündnisse zu schmieden und Terrain zu gewinnen, sollte man eher so wenige Fehler wie möglich machen.

IST DIE SYRIZA-FÜHRUNG ZU ANGEPASST?

Eine andere Kritik kommt eher von links und aus dem radikaleren Flügel der Syriza selbst. Sie lässt sich so zusammenfassen und wurde unlängst vom Ökonomen und Syriza-Abgeordneten Costas Lapavitsas in einem umfassenden Interview für das US-Magazin “Jacobin” formuliert: Das strategische Problem der Regierungsspitze um Tsipras und Varoufakis bestehe darin, dass sie erstens mit der Voraussetzung in die Verhandlungen ging, dass signifikante Änderungen, ein Ende der Austerity und ein Schuldenerlass innerhalb des Rahmens der Institutionen der Währungsunion möglich seien und dass zweitens das völlig unzweifelhafte Ziel formuliert wurde, Griechenland im Euro zu halten. Letzteres Ziel, das natürlich auch mit den ganz klaren Wünschen der Mehrheit der Griechinnen und Griechen übereinstimmt, habe aber eben dazu geführt, dass die griechische Regierung von vornherein klargemacht hat, sie werde den “Schalter für die Atombombe” nicht drücken und sie somit erpressbar wurde. Ohne realistisches Drohpotential musste sie alle Diktate schlucken. Die beiden Kritikpunkte kann man auch verbinden: Vielleicht haben Tsipras und Varoufakis zu sehr auf die Vernunft ihrer Partner vertraut, sodass sie tatsächlich dachten, das Drohpotential nicht zu benötigen. Das und insbesondere der Hinweis, dass die Währungsunion nicht an sich neutral ist, sondern von Institutionen flankiert wird, in die ihre neoliberale Entstehungsgeschichte schon eingeschrieben ist (Maastricht-Kriterien, ESM, Fiskalpakt, Schuldenbremse, etc.), diese also möglicherweise “unreformierbar” ist, ist sicherlich nicht völlig von der Hand zu weisen.
Womöglich markieren die beiden oben genannten, auf dem ersten Blick widersprüchlichen Vorwürfe ein strategisches Dilemma: Einerseits will die griechische Regierungsführung als “standhaft” erscheinen und jeden Eindruck vermeiden, sich zu unterwerfen (das speist den Vorwurf, sie sei konfrontativ), anderseits hat sie tatsächlich eine vergleichsweise moderate Agenda (ein bisschen mehr Keynesianismus innerhalb der Eurozone ohne echten Plan B). Wenn man in einem solchen Dilemma ist, muss man manövrieren.

WEDER LÄNDERMATCH NOCH FREUNDSCHAFTSSPIEL

Kompliziert wird all das noch durch den Umstand, dass jede europäische Regierung gewissermaßen in mehrere Richtungen blickt. So wie die konservativ geführte deutsche Regierung, deren europapolitischer Linie sich die SPD völlig unterworfen hat, natürlich immer einen funktionierenden Konsens innerhalb der europäischen Institutionen im Auge hat, ABER AUCH das Meinungsklima in Deutschland UND die Mehrheitsverhältnisse in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion beachten muss, genauso muss auch die Syriza-Regierung sowohl die Kompromissmöglichkeiten innerhalb der Eurogruppe ALS AUCH das Meinungsklima in Griechenland UND die verschiedenen Flügel von Syriza austarieren.
Das heißt aber auch: Wer in Europa erfolgreich agieren will, muss einerseits versuchen, die Regierungen anderer Länder oder das Meinungsklima in anderen Ländern für sich zu gewinnen, aber er muss gleichzeitig und andererseits auch (um genau zu sein: insbesondere) für die nationale Galerie spielen. Denn letztlich wird er oder sie im nationalen Rahmen gewählt.
Diese beiden strukturellen Notwendigkeiten (die in Wahrheit Dilemmata sind) können sich aber widersprechen und haben eine große Gefahr: nämlich die Gefahr, dass politische Konflikte nicht politisiert werden (im Sinne von Links versus Rechts, Keynesianismus versus Austerity, Sozialismus versus Großkapital etc.) sondern “nationalisiert” oder sogar “ethnisiert”. In den europäischen Gläubigerländern wie Deutschland, Finnland und auch in Österreich hat sich in den vergangen fünf Jahren ein “ökonomischer Rassismus” breit gemacht. Es wird nicht nur scheel auf die “unsoliden Schuldnerländer” herabgeblickt, sondern deren ökonomische Probleme werden mit angeblichen ethnisch-kulturellen Eigenschaften verbunden: Schlendrian, Faulheit, ein Hang zur Korruption, all das würde zur südlichen Lebensweise dazu gehören, so lautet die verbreitete Storyline. Insofern nimmt es nicht wunder, dass die Gegenreaktion in Ländern des Südens auch ein nationalistisches Framing annimmt – tatsächlich ist ja “das eigentliche Wunder, dass das nicht schon viel früher passierte”, wie Paul Krugman unlängst schrieb.
Man soll die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen: Der Sieg von Syriza ist nicht nur ein “linker” Wahlsieg. Der Aufstieg von Syriza und der Wahltriumph vom Ende Januar verdankt sich dem Umstand, dass die Partei einen hegemonialen Block schmieden konnte, der klassische und neue Linke genauso umfasst wie modernistische Wähler und Wählerinnen der politischen Mitte, die Syriza als neue Kraft den altmodischen Klientelparteien vorzogen, aber ebenso Griechinnen und Griechen, die sich in ihrer “nationalen Würde” gekränkt fühlten. Das ist an sich noch überhaupt keine Tragödie: Linke Wahlsiege waren in der Geschichte nur selten vollends “rein”, das heißt, sie waren nie frei auch von fragwürdigen Wahlmotiven. Ein gewisses Maß an patriotischem Appeal gab es sehr oft auch in den bewunderswertesten linken Projekten (etwa das “alle zusammen”, das an sozialen Zusammenhalt und Solidarität appelliert, dies aber tendenziell sehr oft territorial, wenn nicht sogar ethnisch implizit eingrenzt). Hier gerade auf Syriza mit dem Finger zu zeigen hätte auch etwas Heuchlerisches, wenn man beispielsweise bedenkt, dass der Aufbau des skandinavischen Wohlfahrtsstaates in Schweden unter dem Slogan “Folkhemmet” von statten ging oder etwa Bruno Kreisky immer wieder darauf hinwies, in Schweden habe er einen “sozialen Patriotismus” kennen gelernt, den er in Österreich verwirklichen wollte.
Nichtsdestoweniger ist ein “nationalistisches” Framing sozialistischer Reformpolitik fragwürdig und umso riskanter, wenn es sich nicht ausschließlich um einen nach innen gerichteten, inklusiven Patriotismus handelt sondern wenn auf der Klaviatur eines nach Außen gerichteten Nationalismus gespielt wird, und das noch dazu im Kontext der Europäischen Union. Es ist, wie gesagt, eine verständliche Reaktion angesichts des jahrelangen “ökonomischen Rassismus” des Nordens und des geradezu haarsträubenden deutschen Nationalismus, birgt aber offensichtliche Gefahren, grundsätzlicher Natur und politisch taktischer Natur.
Es ist ja klar: Wenn ich den Konflikt um die Austeritätspolitik in Europa als Konflikt “Griechen gegen Deutsche” frame, dann werde ich erstens Schwierigkeiten haben, jene Deutschen als Bündnispartner zu gewinnen, die ich gewinnen kann und will, und es wird auch schwieriger werden, Franzosen, Italiener oder andere für meine Anliegen zu gewinnen, weil die im schlimmsten Fall ja dann den Eindruck haben, der Konflikt zwischen den Griechen und den Deutschen gehe sie nichts an.
Natürlich ist die Rhetorik von Syriza nicht aus einem Guss: Erstens ist sie eine bunte Partei und zweitens hat sie auch eine ganze Reihe Parteiloser in ihren Reihen. Es ist eher eine Tohuwabohu-Rhetorik, in der aber, um das mindeste zu sagen, nationalistische Rhetorik auch ihren Platz einnimmt. In der Realität wird von der Parteispitze an dem einen Tag die “griechische” Klaviatur bedient und am nächsten “die europäische”. Politisch taktisch ist das durchaus alles verständlich, führt aber mindestens zu Dissonanzen und zum Eindruck, die politische Kommunikation sei inkonzise und konfus und jeden Tag sei ein anderer Akteur damit beschäftigt, etwas zurück zu nehmen, was er Tags zuvor gesagt hat. Im schlimmeren Falle entsteht ein Krieg der Worte, der nicht entlang politischer sondern entlang nationaler Konfliktlinien verläuft und einen Beitrag zur Vergiftung des Klimas leistet. Der mangelnder Solidarität mit Syriza völlig unverdächtige Henning Meyer hat im Portal SocialEurope deshalb nicht ganz unrecht mit seinem Appell an beide Seiten: “Der Krieg der Worte zwischen der deutschen und der griechischen Regierung muss sofort aufhören!”

DIE HEUCHELEI DER SYRIZA-KRITIKER

Mit einem Wort: Man kann durchaus auch als solidarische/r Linke/r kritikwürdige Aspekte am Agieren der griechischen Syriza-Regierung in den vergangenen knappen zwei Monaten finden. Das ist ja gar nicht der Punkt. Es wird nie jemanden geben, der völlig fehlerfrei ist, und die Renationalisierung der europäischen Diskurse, für die Syriza nicht verantwortlich ist, geht auch an ihr nicht spurlos vorüber. Es hat aber durchaus auch ein Geschmäckle, wenn neutrale und völlig passive Beobachter oder gar aktive Gegner der Syriza-Regierung vorwerfen, sie würde diesen oder jenen Fehler machen, wenn sie sich de fakto in einem Belagerungszustand befindet. Hat denn jemand den europäischen Konservativen befohlen, die ausgestreckte Hand von Tsipras, Varoufakis und Co. zurückzuschlagen? Hat denn jemand den Mainstream der europäischen Sozialdemokratie dazu gezwungen, sich – von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen -, aus Angst vor Merkel und Schäuble einer eigenständigen Position zu entsagen? Hat jemand gesagt, dass sich die verschiedenen europäischen Sozialbewegungen damit zu begnügen haben, interessiert-solidarisch nach Athen zu blicken, sich aber ansonsten relativ still verhalten müssen? Glaubt das erdrückende Gros der deutschsprachigen Journalistinnen und Journalisten, ihre Beteiligung am Diffamierungs-Herdentrieb gegenüber der Syriza-Regierung würde irgendwelche positiven Folgen haben? Wer will, dass Syriza einen weniger konfrontativen Kurs fährt, könnte ja damit beginnen, der griechischen Regierung mit einer Prise Wohlwollen zu begegnen statt mit dem täglichen Stakkato an Diffamierungen, Beleidigungen und Drohungen.
Kurzum: Das Problem von Syriza ist ihre Isolation. Wenn man einer jungen Regierung nicht einmal ein paar Wochen gibt, um eine Routine zu entwickeln, wenn man sie vom Tag Eins an dazu zwingt, sich mit nichts anderem als Notfalls-Maßnahmen zur Abwendung eines ökonomischen Kollapses zu beschäftigen und ihr damit die Zeit nimmt, sich um mittel- und langfristige Stabilisierungsmaßnahmen zu kümmern, mit einem Wort, wenn man dafür sorgt, dass sie permanent mit dem Rücken zur Wand steht, dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn sie den einen oder anderen Fehler macht, den man eben macht, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.
Freilich ist auch wahr, dass es in der Linken immer schon die fragwürdige Tendenz gibt, die Ursache für die eigenen Fehler oder auch die eigene Schwäche bei den anderen zu suchen (wahlweise beim Kapital, den Neoliberalen, den Sozialdemokraten, dem Fernsehprogramm, der Kronen Zeitung, der Konterrevolution). Man liegt damit nie falsch aber macht es sich damit zugleich immer auch sehr leicht. Der ideologische Kampf ist ja kein Freundschaftsspiel und deshalb ist ja auch nicht zu erwarten, dass eine Linke, die sich nicht unterwirft, von den herrschenden Eliten freundlich behandelt wird. Die Antwort darauf muss sein, eine Politik zu betreiben und Bündnisse so zu schmieden, dass man die Isolation überwindet statt sie zu verschärfen. Syriza ist eine Partei, die das auf ihrem nationalstaatlichen Terrain mit fulminantem Erfolg geschafft hat, aber die Mittel, die ihr das ermöglicht haben, bergen zugleich die Gefahr, ein Hemmnis dafür zu sein, vergleichbare Erfolge auf transnationalem Terrain zu erzielen. Die Linke generell hat in ihrer Geschichte an dieser Aufgabe oft versagt, manchmal aber auch nicht. Zur Geschichte des Versagens gehört etwa die Geschichte des Sektierertums, das gewissermaßen ein falsches Foto der eigenen Gesellschaft im Kopf hatte, und den Kreis der “echten Linken” und der zu gewinnenden “Verbündeten” viel zu eng zog; zur Geschichte des Erfolges gehören etwa gramscianisch inspirierte Bündnisstrategien, die über die engen, eigenen Kreise hinaus Verbündete zu einem, wie Gramsci das nannte, “historischen Block” zusammenzufügen suchten. Wie ein solcher Block aussieht, wer dazu gehört und was eigentlich seine Ziele sind (Aufbau eines Wohlfahrtsstaates im Kapitalismus, langsame Transformation des Kapitalismus, Bekämpfung der Austerität, Revolution etc.) das variiert je nach Epoche und ist ohnehin immer umstritten und der heterogene Block zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass über ein paar unmittelbare Ziele Einigkeit herrscht, aber nicht unbedingt über alle Fernziele. Dass man dafür jedenfalls Leute und Milieus gewinnen muss, mit denen man nicht in allem einer Meinung ist, aber zumindest temporär an einem Strang zieht, sollte sich von selbst verstehen. Und dass der Feind nicht schläft, ist ohnehin sonnenklar.
Was wir in Europa in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben ist, um im fragwürdigen Jargon militärischer Metaphern zu sprechen, ein Stellungskrieg. Dem Austeritätscamp um Merkel, Schäuble und Co. ist es leichter gelungen, als vielleicht mancher erwartet hätte, ihr Terrain zu behaupten. Syriza ist es im Gegenzug dazu schlechter gelungen, als manche erhofft hätte, ihr Terrain auszuweiten. Das ist grundsätzlich noch kein Beinbruch, wenngleich die ökonomische Situation für die griechische Regierung äußerst schwierig ist. Aber es ist ein Sachverhalt, den man nicht ignorieren soll und wenn man etwas besser machen kann, dann soll man das tun.
 
Quelle:misik.atRobert Misik – Journalist & Sachbuchautorhttp://mosaik-blog.at


Donnerstag, 19. März 2015

VSStÖ - Die Welt in der wir leben #2


Demokratisierung


Unser Engagement für eine gerechtere Gesellschaft muss deshalb in seiner Zielsetzung sein Augenmerk verstärkt auf die unterschiedliche Verteilung dieser verschiedenen Formen gesellschaftlichen Kapitals nehmen.
In Hinsicht auf individualisierte Lebenslagen und eine Vielfalt kultureller Ausdrucksformen muss die theoretische Beschreibung sozialer Deklassierung flexibler werden und
sich verstärkt an der Bündelung von Risikofaktoren und Einzelkriterien gesellschaftlicher Ausgrenzung orientieren.
Der umfassenden Demokratisierung aller Lebensbereiche kommt dabei vorrangige Bedeutung zu.
Wir wollen eine Gesellschaft, in der die zentralen Fragen gesellschaftlicher Entwicklung gemeinsam und demokratisch entschieden werden.
Unerlässliche Grundlagen für diese Gesellschaft sind eine
demokratische Regulierung des Marktes, die Durchlässigkeit der politischen und administrativen Strukturen, der offene Zugang zu einem umfassenden und sozial gerechten Bildungssystem und ein gleichberechtigter Umgang mit Information.
Das System der traditionellen Marktwirtschaft führt nicht zur bestmöglichen Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen, sondern hauptsächlich zur Profitmaximierung für Wenige. Deshalb müssen den Marktmechanismen enge Grenzen gesetzt werden. Passiert das nicht, bewirken sie ein Gesellschaftssystem, in dem Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, es kommt zu einer Zerstörung von sozialen Strukturen, demokratische Entscheidungsprozesse werden ad absurdum geführt und ein nachhaltiges Wirtschaften zur Erhaltung unserer Umwelt wird verhindert.


Demokratisierung von gesellschaftlicher Leistung

Der Markt kann gesellschaftlichen Fragen keine Antworten geben, deshalb müssen die gesellschaftlichen Grundbedürfnisse vom Staat abgedeckt werden.
Die gängige Auffassung von Leistung ist eine der Hauptursachen für die zerstörende Kraft des Marktes. Das ungezügelte Leistungsprinzip ist eine der Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft und führt zu Unfreiheit und Ausbeutung.
In einer gerechten Gesellschaft müssen die Grundbedürfnisse jedes Menschen unabhängig von seiner/ ihrer Leistung erfüllt werden. Darüber hinaus soll das Leistungsprinzip weiterhin als Ausdruck individueller Selbstbestimmung und Kraftanstrengung als Verteilungsprinzip eine gewisse Bedeutung behalten. Privateigentum soll nur aus dem Ertrag selbsterbrachter Leistung erworben werden und darf auf keinen Fall Resultat purer Spekulationen und reiner Gewinnmaximierung sein.
Ein gesellschaftlicher Ausgleich darf dadurch aber nicht verhindert werden. Die Gesellschaft muss bestimmen, welche Leistungen zu Gegenleistungen führen, und wie eine vernünftige Umverteilung zwischen den Klassen passieren muss.
Der Ertrag aus Besitz führt jedenfalls zur Vertiefung der materiellen Ungerechtigkeit. Deshalb muss Besitz der Gesellschaft zugeführt werden, um die Akkumulation von wirtschaftlicher Macht in der Hand einzelner zu verhindern.
In den letzten zwanzig Jahren verschob sich die Einflusssphäre der Staaten bei der Grundversorgung der Menschen immer mehr in Richtung (multi-)nationaler Konzernen. Post, Telekom, Stromversorgung wurden „liberalisiert“, die „verstaatlichten“ und/oder staatsnahen Betriebe wurden unter fadenscheinigen „Effizienz-„ und „Finanzierungsargumenten“ „outgesourced“ oder verkauft.
Diese Tendenzen widersprechen aber ganz klar dem Bekenntnis der staatlichen Grundversorgung der Bevölkerung.
Wir fordern daher,
eine staatliche (und damit demokratische) Kontrolle der Grundversorgung, die auch durch internationale Verträge, wie dem GATS (General Agreement on Trade in Services) oder durch eine neoliberale Finanzierungsargumentation in keiner Weise angegriffen werden darf.
Auch wenn der Staat für uns immer noch eine wesentliche Aufgabe in der Wahrung gemeinschaftlicher Interessen wahrnimmt, so ist er doch nicht automatisch mit dem Gemeinwohl gleichzusetzen.
Eine zivile Gesellschaft braucht eine demokratische Kultur innerhalb und außerhalb staatlicher und internationaler Einrichtungen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei vor allem einer
umfassenden Demokratisierung von internationalen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank aber auch der UNO zu.
Auf österreichischer Ebene sprechen wir uns für eine umfassende Redemokratisierung der Universitäten, eine Aufwertung der Mitsprache der Betriebsrät_innen in den Betrieben und ein aktives und passives Ausländer_innenwahlrecht in allen österreichischen Institutionen aus.
Denn nur wer mitbestimmt. kann seine_ihre Umwelt auch mitgestalten und nur durch Demokratisierung aller Bereiche kann ein selbstbestimmtes Leben jedes_jeder Einzelnen garantiert werden.


Demokratisierung des Bildungssystems

Ein Bildungssystem, das nicht auf die Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten Rücksicht nimmt und ihnen Mitsprache- und Mitentscheidungsmöglichkeiten einräumt, entspricht nicht den Anforderungen einer gleichberechtigten und gerechten Gesellschaft. Bildungseinrichtungen und- institutionen, die an hierarchischen und undemokratischen Strukturen festhalten, werden über kurz oder lang zu veralteten und unflexiblen Elfenbeintürmen.
Nur die gleichberechtigte Teilnahme von SchülerInnen, Lehrlingen und StudentInnen an allen maßgeblichen Entscheidungen sichert ein Bildungssystem für die Zukunft, ein Bildungssystem, das Wissen nicht reproduziert sondern reflektiert und die Menschen zur selbständigen und freien Gestaltung des Lebens befähigt.


Demokratisierung von Information

Von herausragender Bedeutung für eine freie offene Gesellschaft ist eine freie und pluralistische Medienlandschaft und die Fähigkeit des_der Einzelnen mit dieser Medienvielfalt umzugehen. Deshalb treten wir für eine umfassende Presse- und Publizistikförderung ein.
Eine Medienkonzentration wie sie in Österreich existiert, stellt eine Gefährdung der demokratischen Kultur und des freien Meinungsbildungsprozesses dar.
Umso wichtiger ist es, junge Menschen möglichst früh mit dieser Medienlandschaft vertraut zu machen.
Durch die Entwicklung neuer und schneller Informationstechnologien wird die Bedeutung des Zuganges zu Information immer entscheidender.
Eine ungerechte Verteilung dieses Zugangs (Digital Gap, Analphabetismus und Brain Drain) verstärkt existierende gesellschaftliche Gräben noch weiter. Eine besonders große Kluft beim Zugang zu Information besteht vor allem zwischen den industrialisierten und den nicht-industrialisierten Ländern.
Die gleichberechtigte Verbreitung von Informationen und des entsprechenden Know-Hows können maßgeblich zu einer freieren und gerechteren Gesellschaft beitragen. Eine umfassende Demokratisierung bietet unserer Ansicht nach die Chance für eine Gesellschaft, in der dafür Sorge getragen wird, dass allen Menschen die notwendigen Grundlagen zur selbstständigen Gestaltung ihres Lebensweges zur Verfügung stehen.


Digitale Gerechtigkeit und freies Wissen

Wie bereits erwähnt, ergibt sich durch unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Information eine Kluft (digital gap bzw. digital divide) zwischen jenen, die einen schnellen, freien und/oder einfachen Zugang zu viel Information haben und jenen, die langsam, zensiert oder keinen Zugang zu diesen Wissensquellen haben. Die Weite dieser Informationskluft wird durch viele Faktoren beeinflusst. Die Wichtigsten dabei sind wohl die regionale Herkunft, Wohnort, finanzielle Mittel, Bildung, kulturelle Einflüsse und/oder staatliche Beeinflussung durch Förderungen oder Zensur.
Für eine soziale und demokratische Gesellschaft ist es gerade hier wichtig, für Gerechtigkeit zu sorgen. Diese kann nur erreicht werden, wenn der Staat es als essentiell erkennt, jeder Person Zugang zu möglichst viel Information zu verschaffen. Der wichtigste Schritt dazu ist eine staatlich geförderte, freie (selbstverwaltete) und kostenlose Flatrate, welche allen Teilen der Gesellschaft das Internet zugänglich macht. Daran knüpfen sich allerdings auch staatliche Förderungen für die benötige Hardware wie zB Schullaptops, sowie freie und flächendeckende W-LAN-Zugänge. Um einer Vergrößerung der Informationskluft zwischen den Altersgenerationen entgegen zu wirken, ist es wichtig Bildungsmöglichkeiten anzubieten, welche den Umgang mit neuen Medien vermitteln.


Zensur & Datenschutz

Wir sind mitten in einer Revolution der Informationstechnologie, welche es immer einfacher macht, viele gesellschaftliche Prozesse transparenter und somit auch demokratischer zu gestalten. Wichtig ist dabei aber die Erkenntnis, dass durch Zensur und Datenmissbrauch Macht ausgeübt werden kann.
Für eine selbstbestimmte, soziale und demokratische Gesellschaft sind zensurfreie Medien essentiell und einer der wichtigsten Indikatoren dafür, wie ausgeprägt die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist.
Deswegen ist Zensur in jeder Form abzulehnen und zu bekämpfen. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass bei der Veröffentlichung von menschenrechtswidrigen Inhalten (z.B.: NS-Wiederbetätigung, …) ein rechtliches Einschreiten sinnvoll erscheint. Sie führt allerdings oftmals zu einer Kriminalisierung der LeserInnen und löst die Probleme dadurch nicht. Das primäre Ziel muss sein, Personen zu Verantwortung zu ziehen welche solche Inhalte veröffentlichen oder weiter publizieren.
Wirkungsvoller Datenschutz ist die Grundbasis für eine gerechte Gesellschaft und den respektvollen Umgang aller Menschen miteinander.
Ist ein solcher Schutz nicht gewährleistet, führt dies letztlich zur Vorverurteilung und Kategorisierung von Individuen. Deshalb kämpfen wir gegen Datenmissbrauch und setzen uns für verbesserte, personenbezogene Datenschutzrechte ein.


Freies Wissen


Der Zugang und Austausch von diversen Informationen hat sich durch das Internet stark vereinfacht. Es entspricht jedoch nicht der Realität, dass alle Informationen frei zugänglich sind. Sie werden als virtuelles Kapital gehandelt und für die Bestbietenden feilgeboten. Doch Wissen muss frei sein. Es ermöglicht Selbstbestimmung über das eigene Leben und bereichert jedes Mitglied der Gesellschaft. Konkrete Vorschläge dazu sind die unser Ansicht nach sinnvollen Konzepte von Open Access (freier Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet) und Open Course Ware (freier Online-Zugang zu Lehrveranstaltungsunterlagen für alle Menschen).


Quelle: VSStÖ

Mittwoch, 18. März 2015

VSStÖ - Die Welt in der wir leben


Globale Entwicklungen

Der Konkurrenzkampf der europäischen, nordamerikanischen und süd-ost-asiatischen Wirtschaftsräumen hat das Wohlstandsgefälle zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern aber auch innerhalb dieser Länder weiter erhöht und die rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur gesteigert.
Damit wurde das Fundament für Kriege und Hungersnöte, die Unterdrückung von Menschenrechten und die Zerstörung unserer Umwelt weiter gefestigt.
Wir erleben ein Wiedererstarken alter und neuer territorialer Auseinandersetzungen, zunehmende gesellschaftliche Bruchlinien, ein weltweites Aufleben von Kolonialisierungs- und Eroberungsbestrebungen auf militärischer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Ebene mit erheblichen sozialen Auswirkungen.

Diese Entwicklung bezieht sich nicht nur auf
Gebiete, Rohstoffe oder Absatzmärkte, sondern schließt auch Leben, virtuelle Räume und Ideen in ihren Aus- und Eingrenzungsbemühungen ein.


Umbau der Wirtschaftsstrukturen

Wir leben in einer globalisierten und sich globalisierenden Welt. Diese in einen neoliberalen Diskurs eingebettete Entwicklung dient jedoch hauptsächlich der Durchsetzung reaktionärer Interessen, in der Gewalt und Repression sowohl nach Innen als auch nach Außen eine immer größere Rolle spielen.

Neoliberalismus ist eine besonders marktradikale Ausprägung des Kapitalismus, deren von Konzernen unter Billigung der politischen Entscheidungsträger_innen vorangetriebene weltweite Ausbreitung und Durchsetzung auch als Globalisierung bezeichnet wird. Im Zentrum dieser Ideologie steht der unregulierte “freie Markt”, der zur organisierenden Kraft in so gut wie allen gesellschaftlichen Lebensbereichen, außer bei Polizei und Militär, werden soll.
Wir leben in einer Zeit,
in der Wirtschaftswachstum nicht mehr Arbeitslosenraten senkt, in der nicht real fundierte Finanzspekulationen rentabler sind als Wirtschaftsinvestitionen, und in der ein sich globalisierender Arbeitsmarkt immer dynamischeren Veränderungen unterworfen ist.
Diese Entwicklung hat massive Auswirkungen auf sozialstaatlichen Strukturen, welche nicht nur mit den Kosten neoliberaler Politik strukturbedingt höherer Arbeitslosenzahlen fertig werden müssen, sondern auch dem verstärkten Druck globaler Wirtschaftsmärkte unterworfen sind.
Die nahezu grenzenlos scheinende Beweglichkeit von Kapital, lässt Regierungen und Politiker_innen zu immer absurderen und kurzfristigeren Maßnahmen greifen.
Die Anpassung von wirtschaftlichen, aber in verstärktem Ausmaß auch von sozialen und politischen Rahmenbedingungen an die Interessen und Wünsche von multi- und transnationalen Konzernen und Finanzinvestor_innen gehört inzwischen schon zum Programm fast aller Regierungen.
Alleine durch fortgesetztes ökonomisches Wachstum, über steigende Steuereinnahmen und daraus finanzierte staatliche Leistungen konnten soziale Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft nicht überwunden werden.
Sehr oft haben sich die ungerechte Verteilung von Gütern und Entwicklungen wie die „neue Armut“ sogar noch verstärkt.


Gesellschaftliche Entwicklungen

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Seinen Platz in der Gesellschaft findet er in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt.
Der einzelne soziale Mensch in seiner Entwicklung ist nur denkbar in Bezug auf sein gesellschaftliches Umfeld. Durch diese gegenseitige Bedingtheit ergibt sich auch eine gegenseitige Verantwortung.
Sowohl die Gesellschaft und ihre Gruppen als auch das Individuum haben soziale Rechte und Pflichten. Diese sind aber natürlich vorbestimmt, sondern haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert.
Die letzten Jahrhunderte waren voll dynamischer Kämpfe um die Erreichung solcher kollektiver und individueller Rechte und die Verpflichtung der Mächtigen zu sozialer und politischer Verantwortung. Von entscheidender Bedeutung waren und sind auch heute noch Auseinandersetzungen zwischen Besitzenden und Besitzlosen, zwischen jenen die Zugang zu Kapital, Bildung und Macht haben und solchen denen dieser Zugang verwehrt wird.
Besonders die Klasse der unterprivilegierten Menschen in den heute entwickelten Ländern, haben in einem langen Kampf Gleichheit vor dem Recht nahezu erreicht. Faktische Gerechtigkeit – die gleichen Möglichkeiten zur selbstständigen Gestaltung des Lebens und zur freien Entfaltung der Persönlichkeit – wurde aber bis heute in vielen Bereichen nicht verwirklicht.
Verglichen mit den Anfängen der Arbeiter_innenbewegung haben sich die gesellschaftlichen Gräben von damals verschoben, aber nur wenige konnten wirklich zugeschüttet werden. Neue, subtilere und differenziertere Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Ausbeutung sind entstanden, die letztlich die individuellen Möglichkeiten selbstbestimmter Lebensgestaltung determinieren.
Die Arbeiter_innenbewegung formierte das Bewusstsein einer Klasse – nämlich der Nicht-Besitzenden. Anknüpfend an die Ideale der französischen Revolution, deren Schlachtruf „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ (die aber durch die Bourgeoisie ziemlich schnell zu einem Herrschaftsinstrument wurden), gingen die Unmündigen und Ausgebeuteten daran, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die Vision einer klassenlosen Gesellschaft in der alle Menschen gemeinsam und vernunftgeleitet den Fortschritt der Menschheit gestalten sollten, war der Antrieb zur Konstituierung der mächtigsten politischen aber auch kulturellen Gegenbewegung zu bestehenden Herrschaftsstrukturen, die unsere Geschichtsschreibung jemals erlebte.
Mit ihrem Kampf um Ziele, wie jenem des allgemeinen Wahlrechtes, der sozialen Absicherung, des offenen Bildungszugangs oder der internationalen Solidarität, konnte diese Bewegung letztlich viele Ungleichheiten zumindest formell beseitigen. Trotzdem existieren – nicht nur im internationalen, sondern auch im innerstaatlichen Kontext – immer noch gesellschaftliche Gräben und Widersprüche, an deren Überwindung nach wie vor gearbeitet werden muss.
Die – letztlich maßgeblich von der Arbeiter_innenschaft produzierte – allgemeine Wohlstandsentwicklung sorgte in den westlichen Industrienationen für eine Integration großer Teile dieser Arbeiter_innenschaft in die bürgerliche Gesellschaft.
Parallel mit dieser Entwicklung war die Arbeiter_innenklasse einem Prozess der gesellschaftlichen Transformation in eine Reihe von Milieus, Schichten und anderweitig lokalisierbaren Gruppen unterworfen.
Von entscheidender Bedeutung sind dabei zunehmende Konflikte zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen, die oft auch zum Gegeneinander-Ausspielen dieser Bevölkerungsgruppen missbraucht werden.
Zunehmender sozialer und wirtschaftlicher Druck, aber auch die steigende Komplexität gesellschaftlicher und politischer Entwicklungsprozesse führen dazu, dass Interessenskonflikte und soziale Differenzierungen sehr oft abseits klarer ideologischer Trennlinien entstehen. Aus diesem Grund ist es auch notwendig (Zweck-) Bündnisse unterschiedlichster Zusammensetzungen zu suchen und voranzutreiben. Wir glauben trotz zahlreicher Behauptungen aber nicht, dass sich unsere Gesellschaft zu einer Gesellschaft von Einzel- und Gruppeninteressen entwickelt hat. Nach wie vor gibt entscheidende Klassenwidersprüche zwischen jenen, die Zugang zu Kapital, Bildung, Information und Macht haben und jenen, denen dieser Zugang verwehrt wird.
Eine vereinfachte Einteilung der gesellschaftlichen Gruppen anhand des Eigentums von Produktionsmitteln vorzunehmen, ist zur Beschreibung der gesellschaftlichen Lage eines Menschen oder einer Gruppe allein nicht mehr ausreichend und birgt heute immer weniger Anknüpfungspunkte zur politischen Solidarisierung und Mobilisierung benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen.
Wir stellen heute fest, dass nach wie vor der Besitz von Kapital, aber vermehrt auch der Zugang zu Bildung, Wissen und Information, die soziale Einbindung in formelle und informelle Entscheidungsstrukturen sowie der Zugang zur Arbeitsgesellschaft zu bestimmenden Faktoren der sozialen Lage eines Individuums geworden sind.
Die Verteilung dieser Faktoren ist in starkem Ausmaß an Herkunft, Geschlecht, Alter und Lebensweise gekoppelt und hat weitreichende Auswirkungen auf die ungerechte Verteilung von Arbeit, und die Möglichkeiten der politischen Partizipation. Sie bestimmt das Einflusspotential einzelner Machteliten in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Medien und Kultur. Diese Machteliten treffen die zentralen Entscheidungen der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung und entziehen damit einer breiten Mehrheit der Bevölkerung die Kontrolle über die Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklung.
Die Wirtschaftskrise, die sich aus der Finanzmarktkrise entwickelt hat, betrifft viele, die es sich nicht leisten können, zu spekulieren. Viele Menschen leben – verstärkt durch die Krise – in Angst vor Arbeitslosigkeit oder in existenzbedrohenden Verhältnissen.
Für uns ist klar, dass die Krise gezeigt hat, welche Früchte das kapitalistische Wirtschaftssystem tragen kann.
Es ist die Verteilungsungerechtigkeit, die die Menschen in diesem Land behindert, die ihnen die Möglichkeit nimmt, ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten zu entfalten, die sie sprachlos macht und die dazu führt, dass wir heute in Österreich mit dem großen Ausmaß an neuer Armut und zunehmender Entkoppelung großer Bevölkerungsteile von gesellschaftlichen Entwicklungen konfrontiert sehen.

Die ungerechte Verteilung von Kapital, Bildung, Information und Macht ist die Grundlage von sich selbst reproduzierenden Machteliten und der Ausgrenzung und Deklassierung gesellschaftlicher Gruppen und einzelner Individuen. Sie definiert damit gleichzeitig die großen gesellschaftlichen Bruchlinien unserer Zeit. Während unsere Welt neu geordnet wird, haben die Bevölkerungen aller Länder kaum oder gar keinen Einfluss auf jene gesellschaftliche Transformation, der sie unterworfen sind.


Nachhaltigkeit

Die Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt haben Ausmaße erreicht, die die langfristige Überlebensfähigkeit der Natur infrage stellt. Damit geht eine Gefährdung der Menschheit einher, denn der Mensch ist von der Natur als Lebensgrundlage direkt abhängig.

Gegenwärtig sind zwei Entwicklungen auf der Erde zu beobachten: Unterentwicklung in den Entwicklungsländern und Übernutzung in den Industrieländern. Unterentwicklung und Übernutzung sind Fehlentwicklungen und führen zu einer zunehmenden Umweltzerstörung.
Das Konzept der Nachhaltigkeit oder „Sustainable Development“ soll unter Berücksichtigung der Erde als begrenztes System diese Fehlentwicklungen korrigieren. Dabei soll versucht werden, Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit mit dem Mensch im Mittelpunkt zu vereinen. Es ist Ausdruck der intra- und intergenerationalen Gerechtigkeit. Zukünftige und jetzige Generationen müssen gleiche Möglichkeiten haben, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Jeder Mensch und jede Generation hat das gleiche Recht auf eine intakte Umwelt und das gleiche Recht global zugängliche Ressourcen in Anspruch zu nehmen.


Siehe auch:
http://gkrejci.blogspot.no/2015/03/vssto-die-welt-in-der-wir-leben-2.html


Quelle: VSStÖ


Samstag, 14. März 2015

3 Pfeile


Am Anfang der Sozialdemokratie stand die rote Nelke als indirektes Sonnensymbol.
In der Zeit des Kampfes gegen die Nationalsozialisten wurden die drei Pfeile
verwendet, die eines der ersten Parteisymbole waren, die von einem externen
Werbeberater entworfen worden waren. Ihr Sinngehalt war die Zerstörung des die
Arbeitermassen anziehenden Hakenkreuzes.
Die drei nach links unten weisenen Pfeil
im Ring hielten sich bis lange nach dem zweiten Weltkrieg. Sie wurden dann -
ähnlich wie bei der ÖVP - vom Schriftzug "SPÖ" abgelöst.

Parallel zu einer Phase des Einsatzes von Orange in Deutschland verwendete auch
die SPÖ diese Farbe. Damit sollte der evolutionäre Charakter des demokratischen
Sozialismus betont werden. Unter ihrem Vorsitzenden Viktor Klima (1997-2001)
wurde wieder auf das ursprüngliche "revolutionäre" Rot zurückgewechselt, wie das
auch bei der SPD der Fall gewesen war.
Damit wird offiziell ausgedrückt, dass sich die auch die heutigen Sozialdemokraten als die "Roten" verstehen.

(Peter Diem)


Symbol für den Kampf der Arbeiterbewegung gegen Faschismus, Klerikalismus und
Kapitalismus (auch: gegen Faschismus, Kapitalismus und Reaktion)

Das Zeichen der drei Pfeile symbolisiert den Kampf der sozialdemokratischen
Arbeiterinnen und Arbeiter und Sozialistinnen und Sozialisten gegen Faschismus,
Klerikalismus und Kapitalismus bzw. gegen die Reaktion im Allgemeinen, wobei der die
Pfeile umschließende Kreis die Einheit der Bewegung und der Partei bezeichnet.

Nachdem die Nazis in den frühen Zwanzigerjahren das Hakenkreuz eingeführt hatten,
wurde auch seitens der Sozialdemokratie ein eigenes strategisches und
propagandistisches Kampfabzeichen erwogen, das sich dem verhassten Symbol der Nazis entgegenstellen ließ. Die drei Pfeile gehen dabei auf den Entwurf des im deutschen
Exil lebenden russischen Psychologen Sergej Tschachotin zurück, der sie – durchaus
mit massenpsychologischen Erwägungen – auf der Sitzung des Propagandaausschusses der deutschen Sozialdemokratie 1932 vorstellte.

Am 8. August 1932 beschloss der Parteivorstand der SDAP auf Vorschlag von Otto Felix
Kanitz die drei Pfeile als politisches Symbol zu übernehmen. Es wurde von Bewegung
begeistert aufgenommen. In den Jahren des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus wurden die drei – nach unten gerichteten – Pfeile auch zum Widerstandssymbol der revolutionären Sozialisten.

Dabei weisen die Pfeile von rechts oben nach links unten, weil der "klassenbewusste
Arbeiter" – wie Genosse Eduard Lindner aus Krems in der Arbeiterzeitung vom 2. Jänner
1933 festhielt – „hoch über dem bürgerlichen Sumpf hinausragt … [und das Bürgertum]
nur in den Niederungen der Menschheit zu suchen ist.“

Nach der wichtigen Rolle, welche die drei Pfeile im Widerstand spielten – nicht selten
sah man ein mit drei Pfeilen von oben her durchbohrtes Hakenkreuz – erweiterte sich
ihre Interpretation nach 1945, da sie nun auch für die Einheit der industriellen,
landwirtschaftlichen und geistigen Arbeiterinnen und Arbeiter standen. Nach dem
mörderischen Regime des Dritten Reiches wurden die drei Pfeile zum offiziellen
Widerstandszeichen der SPÖ.

(Alessandro Barberi)


Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So treffe des ersten gesammelte Kraft
den Kapitalismus, der aussaugt und rafft;
denn wird nicht der uralte Erzfeind gefällt,
bleibt uraltes Unrecht die Geißel der Welt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
So schlage des zweiten geballte Gewalt
den Schädling Faszismus in jeder Gestalt,
den Götzen der über die Völker sich setzt,
im Innern sie knechtet, nach außen verhetzt.

Drei Pfeile. Was künden die drohenden Drei?
Wir wollen es schaffen: Die Menschheit sei frei!
So jage des dritten vernichtende Wucht
das finst´re Gespenst Reaktion in die Flucht;
wo immer es auftaucht, ein Hemmnis dem Licht,
dort halte der dritte der Pfeile Gericht.
Kapitalismus, Faschismus, Reaktion;
schlaget die drei und die Menschheit ist frei!
(Karl Schneller - Parteitag 1932)





Donnerstag, 26. Februar 2015

Nachhaltige Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt

Landeshauptmann Hans Niessl: Optimale Berufsorientierung als ausschlaggebender Faktor
Die Arbeitslosigkeit ist im November 2014 in Österreich um nahezu 10 % gestiegen - mit einer großen Ausnahme: dem Burgenland! Hier konnte die Arbeitslosigkeit de facto stabil gehalten werden, denn der Anstieg betrug nur 0,9 %. Besonders positiv ist die Entwicklung für junge Menschen bis zum 24. Lebensjahr, denn die Jugendarbeitslosigkeit ist im Land um weitere 7,3 % gesunken, die Zahl der Lehrstellensuchenden sogar um 10,1 %. Zum Vergleich: Im Österreich-Durchschnitt stieg die Jugendarbeitslosigkeit um 4,8 %, die Zahl der Lehrstellensuchenden um 4,3 %. „Diese Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass die Maßnahmen des Landes zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit erste Früchte tragen! Aber, und das möchte ich ganz deutlich betonen, jeder jugendliche Arbeitslose ist einer zu viel! Wir konnten heuer im ‚Jahr der Jugend‘ bereits sehr viele Aktivitäten – ganz besonders im Bereich der Bildung und Ausbildung – erfolgreich umsetzen. Das Land Burgenland selbst geht hier mit seinen landesnahen Betrieben bereits mit gutem Beispiel voran, indem 1000 Lehrlinge durch die öffentliche Hand ausgebildet werden“, so Landeshauptmann Hans Niessl.

Im Burgenland gab es eine Vielzahl an Institutionen, die sich mit dem Thema Bildungs- und Berufsorientierung (BBO) auseinandersetzen. Allerdings waren diese Institutionen nicht ausreichend miteinander vernetzt und viele nicht bekannt. Um diesem Manko entgegenzuwirken, wurde auf Initiative von Landeshauptmann Hans Niessl im Dezember 2012 eine „Koordinierungsstelle für Bildungs- und Berufsorientierung“ - kurz BO-Burgenland - ins Leben zu rufen. Niessl dazu: „Diese Plattform soll in Kooperation mit allen Sozialpartnern und dem Landesschulrat für Burgenland den nahtlosen Übergang von Jugendlichen in eine den Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Bildungs- und Berufslaufbahn unterstützen und somit ein senken der Jugendarbeitslosigkeit auf einer zeitgemäßen Informationsbasis bewirken.“

Via Internet finden Jugendliche, Eltern, LehrerInnen und Wirtschaftstreibende auf www.boburgenland.at Informationen, Tipps und Neuigkeiten rund um das Thema Schule, Beruf und Ausbildung. Begleitet wird die Plattform von einem Social Media Konzept. Auf www.facebook.at/boburgenland können sich Interessenten über ihre Erfahrungen, Wünsche, Bedürfnisse und Ideen austauschen und in einen regen Kontakt mit Institutionen treten, die Jugendliche in ihrer Orientierung unterstützen. Durch diese Social Media Einbindung hat BO-Burgenland die Möglichkeit, jedes Anliegen innerhalb weniger Stunden zu behandeln und die Jugendlichen persönlich mit Vorschlägen und Informationen zu versorgen. Mittels BO-LehrerInnen und BO-KoordinatorInnen gewinnt die Bildungs- und Berufsorientierung aber auch in den burgenländischen Schulen immer mehr an Bedeutung. Infos und Beratung gibt es aber nicht nur in den burgenländischen Schulen, sondern auch in Freizeiteinrichtungen und auf Messen.

Nach Abschluss des Projekts “Jugend” im Juni 2014 wurde die „Koordinierungsstelle für Bildungs- und Berufsorientierung“ mit dem Projekt “BOBurgenland” und neuen Projektschwerpunkten betraut. Das Projekt “BOBurgenland” dauert bis Ende Juni 2015 und setzt auf die Erkenntnisse der ersten Projektphase auf. Um die Wichtigkeit und die Größenordnung der Auswirkung von Bildungs- und Berufsorientierung und somit die qualitative Weiterentwicklung im Land zu fördern, setzt das Projekt “BOBurgenland” einen Medienschwerpunkt zur allgemeinen Aufklärung und Information. Aufwww.facebook.at/boburgenland beläuft sich die Community aktuell auf mehr als 3.200 BOBurgenland-Fans, die sich rege über ihre Erfahrungen und Wünsche austauschen und von BO-Burgenland mit den neuesten und hilfreichsten Informationen zu diesem Thema versorgt werden.

Pressefoto zum Download:     Berufsorientierung Burgenland
  

Bildtext (v.l.n.r.): Mag. Heinz Josef Zitz, Amtsführender Präsident des Landesschulrates für Burgenland, Eva-Maria Lass-Kuloglu, Projektleiterin BO Burgenland, und Landeshauptmann Hans Niessl forcieren mit optimaler Berufsorientierung die nachhaltige Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt

Bildquelle: Bgld. Landesmedienservice

Fercsak Hermann, 11. Dezember 2014
Landesmedienservice Burgenland
7000 Eisenstadt, Landhaus, Europaplatz 1
Tel.: 02682/600-2941
Fax: 02682/600-2278
post.presse@bgld.gv.at

Donnerstag, 19. Februar 2015