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Dienstag, 21. Februar 2012

Respekt ist Mangelware.

Respekt ist Mangelware.

Ausschnitte aus:
brand eins 05/2011 - SCHWERPUNKT: Respekt
Respekt ist Mangelware - von Wolf Lotter


Respekt, jeder will mehr davon haben. Doch der will erst mal erdient sein.

1. Wut

Wer Hunger hat, soll essen, wer Durst hat, trinken, doch was nimmt man zu sich, wenn es an Respekt fehlt?

Die Antwort kennen wir gut: Wut.

Wie soll man sich denn sonst Respekt verschaffen gegen all die Ignoranten, Dummköpfe, Missgünstigen und Boshaften, die uns täglich begleiten? Mit guten Worten vielleicht? Alles versucht. Jetzt reicht's!

Und jetzt? Kaufen wir uns eine Pump Gun? Führen wir eine schwarze Liste, die säuberlich abgearbeitet wird? Stellen wir uns, wie einst Robert De Niro in "Taxi Driver", vor den Spiegel und üben ein wenig - "Redest du mit mir? Laberst du mich an?" -, bevor man sich auf den Weg ins Büro macht? Kann man alles machen.

Aber Gewalt ist in diesem Fall keine Lösung ...

weiter, siehe unter:

http://www.brandeins.de/magazin/respekt/anleitung-zur-respektsperson.html


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2. Das Zeitalter der Kotzbrocken

Vor fast 30 Jahren hatten die umtriebigen Gesellschaftskritiker auch dafür einen griffigen Namen gefunden: Ellbogengesellschaft. Sie meinten damit eine Welt, in der die Grundlagen des fairen Umgangs miteinander keine Rolle mehr zu spielen schienen. Allerdings waren auch die Kritiker der respektlosen Ellbogengesellschaft nicht frei von Bewunderung. Jugendkulturen waren reizvoll, weil sie sich respektlos gaben. Rock 'n' Roll, Beat, Pop, Punk, die 68er und die Ökologiebewegung - für sie alle war "locker bleiben" und "lässig sein" die neue soziale Doktrin ...

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3. Professionell

Wer dagegenhält, wird runtergeputzt. Und dabei hilft das herrliche Wort "professionell". Damit meinte man mal die Fachkenntnis einer Person und ihr zuverlässiges, berechenbares Verhalten, die Fähigkeit, auf unterschiedliche Situationen ruhig und angemessen zu reagieren, zum Beispiel.
Doch im Zeitalter der Respektlosigkeit konnte man das Wort neu interpretieren. Professionell war nun jemand, der auf jede Respektlosigkeit mit vermeintlich stoischer Gelassenheit reagierte, solche Leute, denen man etwas direkt ins Gesicht sagt und die unverbindlich weiterlächeln.
Professionell war, wer ignorierte und die Klappe hielt. Wer sich empörte und Widerworte gab, war nun nicht mehr professionell ...

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4. Tough

Die Transformation des Wortes Respekt lässt sich einfach erklären: Respekt heißt Rücksicht, und zwar Rücksicht aufeinander. Was heute aber, auf Bahnsteigen, in Büros, in Familien gefordert wird, ist etwas ganz anderes: Nehmt Rücksicht auf mich!

Daran ist nicht das Geringste auszusetzen nur gehört zum Respekt, zur Rücksichtnahme auch, zu verstehen, was den anderen bewegt. Und nicht einfach nur zu sagen, "ist mir egal", auf gut Neudeutsch also "tolerant" zu sein.

Wie weit es damit her ist, zeigt sich auf Bahnsteigen genauso wie in der gehobenen Dienstwagenklasse ...

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5. Neurosenfelder

Im Rückspiegel sehen wir jetzt einen hübschen Griechen, Narziss, der Legende nach Sohn des Flussgottes Kephissos und der Wassernymphe Leiriope.
Als der Schönling geboren wurde, prophezeite ihm der Seher Teiresias ein langes und glückliches Leben, vorausgesetzt, dass er, Narziss, sich in diesem Leben "nicht selbst erkennen" würde.

Narziss wuchs heran und wurde von unzähligen Frauen und Männern begehrt. Doch er wies sie alle zurück. Denn konnten diese Menschen ihn so sehr lieben wie er sich selbst?
Wohl kaum ...

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6. Die Schauspieler-Gesellschaft

Da ist für jeden etwas dabei - zumal fünf von neun Kriterien genügen, um eine positive Diagnose zu stellen.

So sind sie, die Chefs und die Führungskräfte, die Politiker, die Kollegen, die Nachbarn und Kunden, die DSDS-Sternchen und ihre Anhänger, ja, fast alle sind sie so. Der Störungskatalog liest sich wie ein TÜV-Bericht der sozialen Unzulänglichkeiten.
Egozentriker, die auf ihrem eigenen Planeten leben, voller Ansprüche, Forderungen und Begehrlichkeiten an die anderen, alles im Namen der Einzigartigkeit.

Alles Schauspieler und Selbstdarsteller also. Alles Leute, die ständig Sonderrechte einfordern, die aber andere Menschen nicht wahrnehmen, weil sie so sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Und keinen Respekt für andere haben ...

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7. Respekt als Unterschied

Respekt ist nicht einfach das, was uns passt.
"Ich respektiere jeden, solange er mit mir übereinstimmt oder mich nicht stört" - dieser Leitsatz ist populär - und hat seine Tücken.

In Umfragen, etwa der Wertekommission e.V., konnte man immer wieder nachlesen, dass der Wunsch junger Führungskräfte nach Respekt immer ausgeprägter wurde. Geld allein war kein Kompensationsmittel mehr für die Unbill, die sich für die Nachwuchsmanager auftat.

Ansehen, Würde, Anerkennung - Respekt also -, das schien und scheint vielen im Job zu fehlen ...

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8. Die Beschränkten

Respekt ist also, was uns nützt, was uns erkennen lässt, was uns nützen könnte. Wer Rücksicht nimmt auf andere und das, was sie denken, der lernt etwas. Wer das unterlässt und nur anerkennt, was er kennt, bleibt stehen. "Respekt ist keine Haltung, Respekt ist Kommunikation".

Respekt ist vor allen Dingen auch eines: ein Werkzeug der Erkenntnis. Das läuft nun aber statt auf gute Worte auf eine relativ schlechte Nachricht hinaus: Echter Respekt ist anstrengend. Man muss ihn sich verdienen. Und etwas über andere wissen wollen ...

weiter, siehe unter:
http://www.brandeins.de/magazin/respekt/anleitung-zur-respektsperson.html


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9. Habt uns gern

Ulrich Klotz neigt zu dieser Antwort.
Seit Jahren publiziert Klotz viel beachtete Beiträge, in denen er etwa prophezeit, dass die Arbeitskultur und Strukturen der "Open Source"-Welt, als Gegenstück zum tayloristischen Industriemodell, sich bei Wissensarbeitern früher oder später durchsetzen werden:
"Hier sind Menschen hoch motiviert und gern bereit, ihr Wissen und ihre Ideen mit anderen zu teilen - weil ihnen Vertrauen, Respekt, Anerkennung, Fairness und Toleranz entgegengebracht wird."

Für den damaligen IG-Metall-Chef Jürgen Peters waren solche Vorhersagen nichts anderes als "intergalaktischer Blödsinn".

Ulrich Klotz wundert so etwas nicht, leben doch Gewerkschaften selbst noch die tayloristische Arbeitskultur, der sie entstammen - da mangelt es oft an Einsicht.
Doch unabhängig davon nehmen die Dinge sowieso ihren Lauf, weil die Unternehmen es sich nicht länger leisten können, dass ein Teil ihrer Mitarbeiter innerlich gekündigt hat, bloß weil sie einen Deppen oder Despoten als Vorgesetzten haben.

Was passiert mit allen Respektlosen, den Zurückgebliebenen also? Auch dafür gibt es eine Lebensweisheit. Sie passt hervorragend auf alle, die Gesinnung mit Respekt verwechseln: Ihr könnt uns mal gernhaben. -

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brand eins 05/2011 - SCHWERPUNKT: Respekt
Respekt ist Mangelware - von Wolf Lotter
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