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Dienstag, 2. August 2011

Auszug aus dem Interview mit dem weltbekannten Globalisierungskritiker Jean Ziegler



- Herr Ziegler, was wollten Sie in Salzburg eigentlich erzählen?

Jean Ziegler: Mich hätte das Publikum fasziniert. Das sind ja die Geldsäcke, die dort sitzen. Die hätten eine halbe Stunde lang zuhören müssen, bei geschlossenen Türen, die hätten nicht weglaufen können.

- Hätten Sie ihnen so garstige Sachen gesagt, dass sie laufen wollen?

Ich hätte versucht, die kanibalische Weltordnung darzustellen: Alle drei Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, eine Milliarde Menschen ist schwerst unterernährt auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Und dessen Weltlandwirtschaft laut Statistik problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte.

- Dabei heißt's doch immer, der Welt gehen die Ressourcen aus.

Das ist schon lang nicht mehr so. Den objektiven Mangel, von dem Marx glaubte, dass er uns Jahrhunderte begleiten wird ...

- Der Club of Rome glaubte das noch in den 1970er-Jahren.

Ja, aber den gibt es nicht, der ist überwunden. Und ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. Das ist kein Naturgesetz, wie die Neoliberalen glauben, sondern Mord. Und das hätte ich sagen wollen.

- Dazu kommt's nicht jetzt. Wer hat Ihnen die Ausladung wie mitgeteilt?

Die Frau Burgstaller. Sie hat mir vor zwei Jahren für das Buch "Hass auf den Westen" den Salzburger Zukunftspreis verliehen, und wir hatten viel telefoniert, dass ich genau über das Thema reden sollte. Selbst der Titel "Der Aufstand des Gewissens" kam von ihr. Die Ausladung kam per Mail....

- Sie waren zehn Jahre Sonderberichterstatter der UNO und sind jetzt im Menschenrechtsbeirat - wie kommt man dazu? Alte Kontakte?

Nicht durch sozialistische Korruption, die ja sehr blühend ist, weil ich war denen immer zu links, auch in der Sozialistischen Internationalen. Es braucht die normative Kontrolle des wirtschaftlichen Handelns, es braucht die Menschenrechte als höchstes Gebot. Entwicklungshilfe ist ein Blödsinn...

- Das sagen Sie?

Die Entwicklungshilfe allein ist ungenügend in einem Land, wo es keine Landreform gibt - Guatemala kriegt viel Entwicklungshilfe, und 1,8 Prozent der Bevölkerung haben dort 57 Prozent des fruchtbaren Bodens.




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