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Donnerstag, 5. April 2012

Geschlechter_debatten_kultur

DENKWERKSTATT
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Geschlechter_debatten_kultur

Eigentlich wollte ich gar keinen Text zum aktuellen Profil-Aufreger schreiben. Denn dass Gernot Bauer und Robert Treichler eine ernsthafte Diskussion über Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen führen wollen, das kaufe ich ihnen nicht ab. Wäre das ihre Absicht gewesen, so hätten sie wohl nicht Studien, die seit Jahren auf dem Tisch liegen, als sensationelle Enthüllung verkauft, nicht so einseitig recherchiert/zitiert und – was hier wohl am meisten von Bedeutung ist – ihren Text nicht als polemischen Rundumschlag gegen Frauenpolitik und Feminismus angelegt.

Löhne: Die Wahrheit über die Ungleichheit ?!?

  • • Frauen und Männer verdienen in Österreich bei gleicher Arbeit ähnlich viel ?!?
  • • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit nahezu erreicht ?!?

Den “Fakten” im Profil-Artikel muss ich mich an dieser Stelle gar nicht widmen. Genügend intelligente Frauen haben bereits Zeit in Texte investiert, die über diverse Achsen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufklären (hier, hier, hier und hier). Wieder einmal müssen Feministinnen als sachkundige Lehrerinnen auftreten, die er- und aufklären – weil mensch manches einfach nicht so stehen lassen kann.

Am 4. Februar 2008 titelte das Profil noch: “Die betrogene Frau. Die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau werden größer, die Karrierechancen schlechter. Nur in Österreich. Was läuft anders als im Rest Europas?” Vier Jahre später ist man(n) in der Profil-Redaktion offenbar klüger geworden. Stimmt alles nicht. Doch nicht. Und deshalb ist jetzt von “Mythen” die Rede, von einer “Folklore” und dem “ewigen Opfer Frau”. Diese Sprache ist mir aus dem männerrechtlichen Kontext bekannt (wo der Artikel gerade abgefeiert wird). Und hier sind wir an dem Punkt angekommen, an dem ich beginne, mir Sorgen um die mediale (!) Gechlechterdebatte zu machen.

Nun gut, die Geschlechterdebatte/der Feminismus stehen in Österreich nicht allein da: Differenzierte politische Debatten über Migration, Flucht und Asyl, über eine Verteilungsgerechtigkeit und den verunstalteten Leistungsbegriff finden ebenso nicht bzw. nur in Spartenkanälen statt. “In der Hitze des Gefechts haben Männer wie Frauen aber vergessen, dass die gesellschaftliche Realität längst andere Prioritäten setzt. Angesichts der verschärften Wirtschaftslage und eines in die Knie gehenden Mittelstands wird der Geschlechterkrampf von einem neuen Klassenkampf verdrängt werden”, schreibt Angelika Hager im aktuellen Profil. Diesem Befund kann ich grundsätzlich nur zustimmen, und trotzdem ändert das nichts daran, dass die Kategorie Geschlecht eine der zentralen Diskriminierungsachsen darstellt.

alle Informationen siehe unter:

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Profilfoto von Lisa FuchsLisa Fuchs


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