Follow by Email

Montag, 18. Juni 2012

Vielleicht sind die Europäer noch dümmer als die Amerikaner

Quelle: Sent by Posterous Spaces          lostineurope.posterous.com
           

Ein neuer Lehman?


Die Griechenland-Krise geht auch nach der Wahl in Athen weiter. In Brüssel erwartet man trotz des konservativen Wahlsiegs eine nervenraubende Hängepartie bis zur Regierungsbildung. Dies könnte die Märkte erneut verunsichern und die Lage weiter destabilisieren. Europa fürchtet den neuen Lehman-Moment, titelt denn auch die FTD
. Doch das Hauptrisiko liegt nun nicht mehr in Athen, sondern in Berlin und Brüssel: Es ist die Unfähigkeit der Euro-"Retter", die Krise einzudämmen - im schlimmsten Fall droht ein "Lehman" der Politik.

Wie tief ist Europa gesunken! Vier Jahre nach Beginn der Finanzkrise in den USA ist die Eurozone zum akuten Krisenherd geworden. Ausgerechnet ein winziges Land wie Griechenland, das für die globalen Märkte völlig unbedeutend ist, könnte nun ein neues weltweites Finanzbeben à la Lehman Brothers auslösen. Und ausgerechnet ein ebenso junger wie begnadeter Populist, A. Tsipras, soll Schuld sein, wenn der Euro oder gar ganz Europa zusammenbricht.

Das kann doch nicht wahr sein, und es ist auch nicht wahr. Erstens muss sich Europa einen neuen Sündenbock suchen, denn Tsipras geht je nun erstmal in die Opposition. Wenn es knallt, dann wird der Crash von Bankkunden und Investoren in ganz Europa und der Welt ausgelöst, die panikartig ihr Geld abziehen könnten (teilweise ist der Bankrun und die Kapitalflucht ja schon in Gange).  

Nicht die Wahl an sich, sondern die Marktreaktion ist das Risiko.
Und zweitens fällt die Entscheidung über das Schicksal Griechenlands nicht mehr in Athen, sondern in Berlin, Brüssel, Frankfurt und Washington - also dort, wo die großen Gläubiger sitzen (Eurogruppe, EZB und IWF). Nicht Tsipras oder Neo Demokratia-Führer Samaras ziehen die Fäden, sondern Merkel, Juncker, Draghi und Lagarde haben das letzte Wort.  

Die so genannten Euro-"Retter" könnten sich allerdings schon morgen als tragische Euro-Killer erweisen.
Denn die Märkte sind hochnervös. Viele Anleger werden es kaum goutieren, dass sich in Athen wieder nichts ändert, dass ausgerechnet die korrupte ND wieder an die Macht kommen soll, und dass wohl nicht einmal die erhoffte Intervention der Notenbanken kommt. Sie werden auf ein Zeichen der Euro-Chefs warten.  

Ein falsches Wort, eine falsche Entscheidung der "Retter" - und alles geht den Bach runter. Ein Bankenkrach ist schnell ausgelöst, eine Marktpanik auch, siehe Spanien und Italien ("It's the markets, stupid!").  
Jetzt rächt es sich, dass man die Lösung der Griechenland-Krise drei Jahre vor sich hergeschoben hat, statt das Feuer schnell und entschieden zu löschen. Jetzt rächt es sich, dass man nur nationale und keine europaweiten Einlagensicherungs- und Bankenrettungs-Systeme geschaffen hat. Jetzt rächt es sich auch, dass man kein Verfahren für den geordneten Austritt eines Landes aus dem Euro fand. Nicht einmal ein Ausschluß ist nach dem EU-Recht möglich.

Nichts, aber auch gar nichts von dem, was die Eurozone derzeit dringend bräuchte, steht bereit. Nicht einmal die neue "Brandschutzmauer" ist fertig - der Euro-Rettungsschirm ESM kommt, wenn alles gut geht, erst im Juli, und er ist jetzt schon zu klein. Weil dies so ist, müssen nun G-20 und Notenbanken der ganzen Welt Feuerwehr-Bereitschaft spielen. Europa allein schafft es nicht mehr, dies ist die traurige Botschaft dieses Wochenendes. 
Vielleicht kommt der Lehman-Moment nicht sofort, sondern erst irgendwann im Herbst, wenn die Troika nicht mehr weiter weiß. Vielleicht kommt er auch gar nicht. Doch  
Europas Politiker haben schon jetzt bewiesen, dass sie aus dem großen Crash nichts gelernt haben. Vielleicht erweisen sie sich am Ende sogar als noch dümmer als die Amerikaner - und lassen nicht nur eine Bank, sondern gleich ein ganzes Land pleitegehen.
Der sicherste und teuerste Weg dazu ist übrigens, die Sparpolitik wie bisher fortzuführen...




Quelle: Sent by Posterous Spaces
             lostineurope.posterous.com


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen